Wichtigste tropische Fischvergiftung: Die Ciguatera plagte schon spanische Eroberer

Ciguatoxin reichert sich über die Nahrungskette vor allem in größeren Raubfischen an.

Von Privatdozent Tomas Jelinek Veröffentlicht:

Schon die spanischen Eroberer in der Karibik litten nach dem Genuss einer Meeresschnecke namens "Cigua" an Vergiftungserscheinungen und nannten dieses Krankheitsbild daraufhin "Ciguatera". Hauptsächlich in tropischen Meeresregionen wie Karibik, Pazifik und Indischem Ozean treten jährlich bis zu 50 000 Fälle dieser weltweit häufigsten Fischvergiftung auf. Hauptverursacher ist ein Dinoflagellat, der auf Algen der Korallenriffe lebt. Das von ihm gebildete Ciguatoxin reichert sich über die Nahrungskette vor allem in größeren Raubfischen wie Muränen, Barrakudas, Zackenbarschen, Makrelen, aber auch in Pflanzenfressern an.

Erste Symptome treten meist einige Stunden, gelegentlich auch schon Minuten nach dem Fischverzehr auf. Typisch sind außer Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen eine Vielzahl neurologischer Symptome, seltener auch kardiovaskuläre Beschwerden wie Bradykardie oder Hypotension. Charakteristisch ist eine Störung des Temperaturempfindens, so dass zum Beispiel kaltes Wasser heiß erscheint.

Die akuten Symptome klingen in der Regel nach etwa 8 bis 10 Stunden ab, neurologische Fehlfunktionen können jedoch über Wochen bis Monate persistieren. Die Therapie erfolgt symptomatisch, ein spezifisches Antidot gibt es nicht. In den letzten Jahren werden Mannit-Infusionen eingesetzt, die oft zu einer raschen Symptom-Besserung führen, wobei der Wirkungsmechanismus unbekannt ist.

Die einzige sichere Prophylaxemaßnahme besteht im Verzicht auf den Verzehr von größeren Meeresfischen in den betroffenen Gebieten. Da das Ciguatoxin hitzestabil ist, wird es auch durch Kochen oder Braten nicht inaktiviert.

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