Daten aus Korea analysiert

Zeigt heller Hautkrebs ein insgesamt erhöhtes Krebsrisiko an?

Mit der Diagnose eines Basalzell- oder Plattenepithelkarzinoms der Haut steigt offenbar das Risiko der Patienten, im Laufe der Jahre an einem Tumor anderer Entität zu erkranken.

Von Dagmar Kraus Veröffentlicht: 08.10.2019, 12:53 Uhr

Seoul. Basalzell- und Plattenepithelkarzinome (BCC und SCC) sind die am häufigsten diagnostizierten Tumorarten weltweit. Schätzungen zufolge sind gut zwei Prozent der kaukasischen Bevölkerung betroffen – Tendenz steigend. Nichtmelanozytäre Hautkrebserkrankungen (NMSC) verlaufen zwar selten tödlich, sind aber, wie eine aktuelle Studie aus Korea nahelegt, in einer anderen Hinsicht prognostisch bedeutsam. Der Dermatologe Kee-Yang Chung von der Yonsei University College of Medicine in Seoul und seine Kollegen konnten zeigen, dass Patienten mit einem BCC oder einem SCC ein höheres Risiko haben, im Laufe ihres Lebens an einem Tumor anderer Entität zu erkranken, als Menschen ohne hellen Hautkrebs (JEADV 2019; online 8. September).

Im Rahmen seiner landesweiten Erhebung hat das Ärzteteam die Datenbank des Korea Health Insurance Review and Assessment Service genutzt und die Krankenakten von 27 259 Patienten mit nichtmelanozytären Hautkrebserkrankungen mit denen von 54 518 Patienten gleichen Alters und Geschlechts ohne NMSC verglichen. In der Auswertung berücksichtigt wurden ausschließlich Daten der Jahre 2007 bis 2016. Patienten, die zu Studienbeginn unter 40 Jahre alt waren und bei denen zwischen 2007 und 2009 die Diagnose Krebs (egal welcher Entität) gestellt wurde, waren von der Auswertung ausgenommen.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von acht Jahren war das Risiko, an einem nicht die Haut betreffenden Krebs zu erkranken, bei NMSC-Patienten mehr als 80 Prozent höher als in der Kontrollgruppe. Die Inzidenzraten geben die Wissenschaftler mit 2727,7 Krebserkrankungen pro 100 000 Personenjahre in der NMSC-Gruppe und 1392,4 Krebserkrankungen pro 100 000 Personenjahre in der Kontrollgruppe an.

Die höchste Risikosteigerung im Zusammenhang mit hellem Hautkrebs fand sich für maligne Knochentumore, und zwar um das Zwölffache, gefolgt von Malignomen der Nasenhöhle und des Larynx (HR 10,28), der Mundhöhle und des Pharynx (HR 10,21) sowie des Anus und des Analkanals (HR 8,14). Aber auch das Zervix-, Thorax-, Ösophagus- und Brustkrebsrisiko war in der NMSC-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe, wie auch das Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome, Schilddrüsenkarzinome, Lungen- und Magenkarzinome. Einzig kolorektale Karzinome traten in der NMSC-Gruppe seltener auf als in der Kontrollgruppe.

Am deutlichsten fiel der Unterschied in der Altersklasse zwischen 40 und 64 aus. Das allgemeine Krebsrisiko war bei jüngeren NMSC-Patienten fast dreimal höher als in der altersgleichen Kontrollgruppe. Für Malignome der Nasenhöhle und des Larynx (HR 28,80) errechneten die Dermatologen die stärkste Risikosteigerung, gefolgt von Zervixkarzinom (HR 18,91), Knochenkrebs (HR 15,53) sowie Malignomen des Anus und des Analkanals (HR 14,73) sowie der Mundhöhle und des Pharynx (HR 14,11).

Tatsächlich scheint ein heller Hautkrebs ein signifikanter Marker für ein allgemein erhöhtes Krebsrisiko zu sein, und zwar besonders bei den jüngeren Patienten, wie die Dermatologen aus Korea mit Blick auf ihre aktuellen Studienergebnisse festhalten. Am markantesten stieg das Risiko für Krebserkrankungen des Knochens, der Nasen- und Mundhöhle, des Anus sowie der Zervix.

Daher sollte bei diesen Patienten nicht nur die Krebserkrankung der Haut behandelt werden, sondern darüber hinaus auch verstärkt auf mögliche Tumore anderer Entitäten geachtet werden.

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