Leitartikel

Zündstoff für die Antipsychotika-Therapie

Überraschends Ergebnis einer Sieben-Jahres-Studie: Wird bei Patienten nach einer erfolgreich behandelten ersten Psychoseepisode die Medikation reduziert oder abgesetzt, geht es ihnen Jahre später deutlich besser als mit einer zweijährigen Dauermedikation.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 31.07.2013, 12:32 Uhr
Zündstoff für die Antipsychotika-Therapie

Sollten nach einer erfoglreichen Behandlung einer ersten Psychoseepisode die Medikamente reduziert werden? Ein Studie hat dafür positive Hinweise geliefert.

© Jet Chen Ten / iStockphoto

Neu-Isenburg. Was der niederländische Psychiater Lex Wunderink und seine Mitarbeiter von der Universität Groningen veröffentlicht haben, birgt jede Menge Zündstoff: Offenbar scheint eine zweijährige Dauertherapie mit Antipsychotika Patienten nach einer ersten psychotischen Episode mehr zu schaden als zu nutzen (JAMA Psychiatry 2013; online 3. Juli).

In vielen Leitlinien wird aber empfohlen, nachdem die Patienten in Remission gebracht wurden, für mindestens ein Jahr weiterzubehandeln. Sollte Wunderink recht haben, müssten die Leitlinien überarbeitet werden.

Die Arbeit ist auch ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, das Schicksal von Patienten länger als nur die wenigen Monate zu beobachten, in denen sie an einer Studie teilnehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein kurzfristiger Erfolg einer Therapie langfristig mit einer schlechteren Prognose einhergeht. Ähnliche Beispiele lassen sich auch in der Onkologie finden.

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