Pflegereport der Barmer

In Sachsen stehen Pflegekräfte besonders unter Druck

Die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte ist in Sachsen besonders hoch. Der im Ländervergleich schlechte Personalschlüssel hat einen hohen Preis.

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Durch andauernd hohe Belastung von Pflegekräften können noch weitere Fachkräfte verloren gehen – etwa weil sie häufig erkranken oder vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden.

Durch andauernd hohe Belastung von Pflegekräften können noch weitere Fachkräfte verloren gehen – etwa weil sie häufig erkranken oder vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden.

© Christoph Schmidt / dpa

Dresden. Pflegekräfte in Sachsen sehen sich einer ungewöhnlich starken Arbeitsbelastung ausgesetzt. Zu dieser Einschätzung kommt die Barmer in ihrem aktuellen Pflegereport.

In Sachsen konzentriere sich ein „überdurchschnittlich hoher Arbeitsstundenanteil“ auf Teilzeitbeschäftigte, die oft einspringen müssten, wenn Kollegen krankheitsbedingt ausfielen, sagt Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Kasse. Dies gehe „zu Lasten der Gesundheit“.

Im Freistaat seien nur 21,6 Prozent der Pflegekräfte in Altenheimen in Vollzeit angestellt. Damit verfüge das Bundesland über die geringste Quote an Vollzeitbeschäftigten in stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Sie liege im Bundesdurchschnitt bei 28,9 Prozent. Der Anteil an Teilzeitbeschäftigten erreiche hingegen im Freistaat den bundesweiten Höchstwert.

1200 Pflegekräfte sind krank oder frühverrentet

Magerl schätzt ein, wenn die Arbeit „aufgrund von unzureichender Personalausstattung nicht geschafft“ werden könne, komme es zu einer „erhöhten Beanspruchung der Pflegekräfte bis hin zur Überlastung“. Das wiederum führe zu „vermehrten Fehlzeiten oder sogar zum Berufsaustritt“. Er verweist auf den Branchenatlas der Kasse zu Fehlzeiten. Im Vergleich der Berufsgruppen liege das Personal in Pflegeheimen in Sachsen bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten mit durchschnittlich 30 Ausfalltagen an erster Stelle.

In Sachsen kämen auf 100 stationär versorgte Pflegebedürftige 24 beschäftigte Pflegefachkräfte und zwölf Pflegehilfskräfte. In Baden-Württemberg seien es im Vergleich 31 Pflegefachkräfte und 14 Pflegehilfskräfte je 100 Pflegebedürftige. Der Bundesdurchschnitt betrage 27 zu 17. Fast 80 Prozent der Pflegekräfte in Sachsen seien Frauen, davon seien mehr als 30 Prozent über 55 Jahre alt.

Geregelte Arbeitszeiten und mehr Vorsorge gefordert

Durch eine „zu hohe Arbeitsbelastung“ könnten „zusätzlich noch Arbeitskräfte verloren gehen“, weil sie krankheitsbedingt ausfielen, die Branche verließen oder sogar frühverrentet würden, ergänzt Barmer-Landeschef Magerl. Hochgerechnet mehr als 1200 Pflegekräfte seien in Sachsen wegen Krankheit und Frühverrentung nicht verfügbar.

Magerl verlangt deshalb, dass die Betreiber der Pflegeheime in Sachsen „neben geregelten Arbeitszeiten“ auch „stärker auf Vorsorge“ setzen müssten. Präventionsangebote für die Beschäftigten müssten „zum Standard werden“. Die Zahlen für den Pflegereport hat die Kasse 2020 erhoben, sie beziehen sich auf das Jahr 2017. (sve)

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