Missbrauchs-Vorwürfe

Kramp-Karrenbauer kritisiert Homburger Uniklinik

Die Klinik hätte früher über die Kindesmissbrauchs-Vorwürfe informieren müssen, monierte Saarlands Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Untersuchungsausschuss.

Von Andreas Kindel Veröffentlicht:
Saarlands Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kurz vor Beginn ihrer Vernehmung vor dem Untersuchugnsausschuss des Saar-Landtags in Saarbrücken

Saarlands Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kurz vor Beginn ihrer Vernehmung vor dem Untersuchugnsausschuss des Saar-Landtags in Saarbrücken

© Kindel

Homburg/Saarbrücken. Saarlands Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihr damaliger Staatskanzlei-Chef Lennartz haben von den Kindesmissbrauchs-Vorwürfen an der Homburger Uniklinik (UKS) nach eigenen Angaben jahreslang nichts mitbekommen.

Das haben beide am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Saarländischen Landtags erklärt. Beide CDU-Politiker versicherten, dass sie davon erst im April vergangenen Jahres erfahren hatten. Die Landesregierung ist mit fünf Sitzen im Aufsichtsrat der UKS vertreten. Lennartz war bis vergangenen Oktober der Aufsichtsratschef.

Vorfälle von 2010 bis 2014

In dem Skandal geht es um die Vorgänge in der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort soll ein inzwischen verstorbener Assistenzarzt in der „Ausscheidungsambulanz“ von 2010 bis 2014 viele medizinisch unnötige Untersuchungen im Anal- und Genitalbereich von Kindern vorgenommen haben. Deshalb hatte es in den vergangenen Jahren unter anderem eine anonyme Anzeige gegeben, Patientenakten waren beschlagnahmt worden und der beschuldigte Arzt war fristlos entlassen worden. Über all das, so versicherten Kramp-Karrenbauer und Lennartz vor dem Untersuchungsausschuss, seien sie jahrelang nicht informiert worden.

Keine Informationen erhalten

Kramp-Karrenbauer kritisierte deshalb die Klinikleitung. „Es gibt nicht schwerwiegenderes als Kindesmissbrauch“, sagte sie. „Es wäre natürlich angezeigt gewesen, dass ich darüber informiert worden wäre. Ich bin es aber nicht“. Sie könne sich nicht erklären, warum diese Informationen nicht geflossen seien. Ähnlich äußerte sich Ex-Staatskanzleichef Lennartz. Er sei von der Klinikleitung über andere Probleme wie Baumängel, Abrechnungsbetrug oder Streit unter Professoren informieren worden – nur über die Missbrauchsvorwürfe nicht. „Das ist ein Unding“, so Lennartz. Das hätte nicht passieren dürfen.

Zweifel an Darstellung der Politiker

An der Darstellung der beiden CDU-Politiker gibt es aber auch Zweifel. So veröffentlichte der Saarländische Rundfunk am Morgen der Untersuchungsausschuss-Sitzung handschriftliche Notizen, wonach die Landesregierung von der Sache möglicherweise schon Ende 2014 wusste. Ex-Staatskanzleichef Lennartz wies vor dem Ausschuss alle Verdächtigungen zurück: „Ich kann mir nicht erklären, wie so etwas zustande kommt“.

Am Tag zuvor hatte der Untersuchungsausschuss außerdem einen ehemaligen Oberarzt vernommen, der nach Darstellung der Linken von einer Besprechung mit dem damaligen Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtete. Dabei soll der Klinik-Chef, so heißt es in einer Erklärung des Linken-Abgeordneten Dennis Lander, erklärt haben, dass er mit der Verwaltung und der Landesregierung gesprochen und Stillschweigen vereinbart habe. Lander hält die Aussage des Mediziners für glaubwürdig. „Es ist kaum anzunehmen, dass ein Oberarzt so etwas frei erfindet“.

Mehr zum Thema

Städte und Landkreise

Das lokale Corona-Infektionsgeschehen im Vergleich

COVID-Pandemie

Saarland schärft Corona-Regeln im Eilverfahren nach

Corona-Impfung

BioNTech-Deckelung: Saar-MP Hans attackiert Spahn

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Sollen Apotheker gegen COVID-19 mitimpfen dürfen?

© Michaela Illian (li) | Sven Bratulic (re)

Pro & Contra

Sollen Apotheker gegen COVID-19 mitimpfen dürfen?

Allein gelassen mit HIV: In der Praxis müssen Infizierte das Gefühl haben, über alles reden zu können; auch über die HIV-Infektion.

© alexxndr / stock.adobe.com

Interview zum Welt-Aids-Tag

„Es gibt immer noch Fälle, die mich erschauern lassen!“

Inwiefern sich die Omikron-Variante in Bezug auf die Wirksamkeit von Impfstoffen vom Wildtyp und anderen Varianten unterscheidet, ist noch unklar.

© [M] Pavlo Gonchar / ZUMAPRESS.com / picture alliance

Schutz vor Omikron-Variante

Virologen und Immunologen raten zu umfassenden Kontaktbeschränkungen