Bayern

LMU Klinikum richtet Professur für Geriatrie ein

Das Angebot des neuen Lehrstuhls am LMU-Klinikum umfasst die Akutgeriatrie, die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFR), sowie Alterstraumatologie. Auch soll dort eine Osteosarkopenie-Ambulanz eröffnet werden.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht:
Deutschland ist eines von drei Ländern mit der ältesten Bevölkerung.

Deutschland ist eines von drei Ländern mit der ältesten Bevölkerung.

© cirquedesprit / Fotolia

München. Als erste und einzige Universität in Bayern hat die Münchener Ludwig-Maximilians-Universität eine klinische Professur für Altersmedizin eingerichtet.

Berufen auf den Lehrstuhl für Innere Medizin/Geriatrie wurde Dr. Michael Drey, der bisher als Leiter der von ihm aufgebauten Sektion Akutgeriatrie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des LMU Klinikums am Campus Innenstadt tätig war.

Mit diesem Schritt wird nach Auffassung des neuen Lehrstuhlinhabers ein bislang nur unzureichend behandeltes Problem in den Fokus gerückt.

„Die Bedeutung der Altersmedizin ist bisher weder in der Politik noch in der Gesellschaft in ihrer Dimension erfasst worden.

Da besteht ein enormer Nachholbedarf, gerade auch in der Universitätsmedizin. Es gibt klinische Geriater, aber keine akademischen, weil das entsprechende Setting fehlt. Nachwuchs kann aber nur da ausgebildet werden“, sagt Drey.

Deutschlandweit einziges Sarkopenie-Register

Das klinische Angebot in der Münchener Ziemssenstraße angesiedelten Einrichtung umfasst Akutgeriatrie, geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFR), sowie Alterstraumatologie. Auch wird dort eine Osteosarkopenie-Ambulanz ihren Betrieb aufnehmen.

Die Sarkopenie, der Schwund von Muskelmasse und -kraft im Alter, soll auch bei den wissenschaftlichen Schwerpunkten im Vordergrund stehen.

Ziel der Forschergruppe ist die Erstellung eines Sarkopenie-Registers - es wäre deutschlandweit einzigartig. „Wir wollen präzise Medizin für muskuloskelettale Gesundheit im 21. Jahrhundert anbieten“, erklärt Drey.

Polypharmazie im Fokus

Außerdem soll in Kooperation mit der Klinikapotheke und dem Institut für Allgemeinmedizin das Thema Polypharmazie bearbeitet werden. Ziel ist es, die Vielzahl von Medikamenten, die ältere Patienten häufig einnehmen, zu überprüfen und gegebenenfalls zu reduzieren.

Damit werden grundlegende Strukturen für eine wissenschaftliche Gerontopharmakologie geschaffen, um einem zukünftigen Geriatric Investigation Plan (GPI) Rechnung tragen zu können.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM) wird eine spezielle Gerontotechnologie - Stichwort „Ambient assisted living“ - entwickelt. Innovative pflegeunterstützende Systeme sollen dementen Patientinnen und Patienten das Leben leichter machen.

Breites Versorgungsspektrum

Im Mai 2020 soll eine geriatrische Tagesklinik hinzukommen. Die Geriatrie ist auf die medizinische Versorgung Älterer mit chronischen komplexen Krankheitsbildern und Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) abgestimmt.

Häufig führt bei ihnen eine zusätzliche akute Erkrankung zur Einweisung in die Klinik – und dann ins Pflegeheim. Der Hauptanteil dieser Erkrankungen betrifft die Innere Medizin, gefolgt von Krankheitsbildern aus der Neurologie, darunter Parkinson, Demenz oder Gangstörungen.

Mit der Einrichtung trage der Vorstand des Klinikums der demografischen Entwicklung und den damit verbundenen Herausforderungen Rechnung, heißt es seitens der LMU. Deutschland ist eines von drei Ländern (neben Japan und Italien) mit der ältesten Bevölkerung.

Fast 13 Millionen der Bewohner sind 70 Jahre und älter. Allein in Bayern rechnet man 2028 mit über 900.000 Hochbetagten im Alter von 80 Jahren und mehr.

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