Haustiere

SARS-CoV-2-Übertragung von Katze zu Katze belegt

Muss man die Rolle von Haustieren im Corona-Pandemie-Geschehen doch ernster nehmen als bislang gedacht? In einer Studie wurde die Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 von Katze zu Katze nachgewiesen.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 17.05.2020, 13:59 Uhr
SARS-CoV-2-Übertragung von Katze zu Katze belegt

Pelzige Virusüberträger? Derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass Katzen und Hunde SARS-CoV-2 längerfristig vermehren können.

© shaunl / Getty Images / iStock

Frage: Können Katzen untereinander SARS-CoV-2 übertragen?

Antwort: Unter experimentellen Bedingungen ist dies möglich.

Bedeutung: Inwieweit Haustiere unter bestimmten Bedingungen zum Pandemiegeschehen beitragen können, ist noch nicht vollständig geklärt.

Einschränkung: Laborstudie. Nur drei Tierpaare beteiligt.

Madison. Die Frage, ob sich auch Haustiere mit dem neuen Corona-Virus infizieren können, war bislang ein eher belächeltes Randthema im aktuellen Pandemiegeschehen. Der Erreger stammt zwar ursprünglich aus dem Tierreich, allerdings scheinen Mieze und Bello nach allem, was man bisher weiß, keine nennenswerte Rolle für die Verbreitung von SARS-CoV-2 zu spielen.

Übertragungen im Zusammenhang mit Hauskatzen und Hunden wurden zwar aus Belgien beziehungsweise Hongkong berichtet, diese fanden jedoch bislang nur vom Menschen auf das Tier statt, nicht umgekehrt.

Übertragung von Katze zu Katze möglich

Aufhorchen lassen nun aktuelle Publikationen, die zeigen, dass eine SARS-CoV-2-Übertragung unter Laborbedingungen auch direkt von Katze zu Katze möglich ist. In einer Studie hatten Forscher aus den USA und Japan drei Tierpaare aus jeweils einer SARS-CoV-2-infizierten und einer nicht infizierten Katze gebildet (NEJM 2020; online 13. Mai). Diese Pärchen wurden, jedes für sich, über mehrere Tage auf engem Raum gehalten. Alle Katzen wurden täglich auf SARS-CoV-2 getestet, sowohl im Nasen- als auch im Rektalabstrich.

Nach fünf Tagen waren sämtliche Tiere nachweislich infiziert, auch diejenigen, die zuvor negativ gewesen waren. Die Katzen bildeten virusspezifische Antikörper und schieden den Erreger auch aus. Dies bedeutet, dass es sich um eine aktive Infektion und nicht etwa um eine Kontamination handelte.

Keines der Tiere zeigte allerdings Krankheitssymptome. Die Virusausscheidung erfolgte ausschließlich über die Nase und über eine Dauer von vier bis fünf Tagen.

Das Forscherteam um Peter J. Halfmann von der University of Wisconsin sieht auf dieser Grundlage die Notwendigkeit für weitere Studien gegeben, in denen „die Möglichkeit einer Transmissionskette Mensch-Katze-Mensch“ untersucht werden soll. Von den US-amerikanischen Centers für Disease Control and Prevention (CDC) liegen mittlerweile Empfehlungen für Tierbesitzer zum Umgang mit Haustieren vor.

Empfehlungen für Tierbesitzer

Auf die Sorgen deutscher Tierbesitzer im Zusammenhang mit Corona hat inzwischen auch das Friedrich-Löffler-Institut mit einem FAQ-Katalog reagiert. Empfehlungen dazu, was Haustierbesitzer in Coronazeiten beachten sollten, gibt beispielsweise auch die Medizinische Kleintierklinik der LMU München auf ihrer Homepage.

Demnach sollten

  • SARS-CoV-2-infizierte Menschen den Kontakt zu ihren Haustieren möglichst vermeiden.
  • Freiläuferkatzen, die in einem Haushalt mit SARS-CoV-2-infizierten Personen leben, können weiterhin ins Freie gelassen werden.
  • Hunde und Katzen von SARS-CoV-2-infizierten Personen, die Atemwegserkrankungen oder Fieber entwickeln, sollten zur Vorsicht in häuslicher Quarantäne gehalten werden. Die Besitzer sollten umgehend telefonisch einen Tierarzt konsultieren.

Für Tierbesitzer ist es auch wichtig zu wissen, dass sich SARS-CoV-2 von den bisher bekannten und weit verbreiteten Hunde- und Katzen-Coronaviren klar unterscheidet und definitiv sich nicht aus diesen Viren entwickelt hat.

„Vorsicht, aber keine Panik“, rät Klinikchefin Professor Katrin Hartmann angesichts der aktuellen Studienergebnisse. Es gebe derzeit keine Hinweise dafür, dass Katzen und Hunde SARS-CoV-2 besonders stark und längerfristig vermehren können. Weitere Untersuchungen seien aber notwendig, „um die Rolle unserer Haustiere als Überträger sicher zu klären“.

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