Ärztemangel

Saar-Landtag hat Landarztquote endgültig beschlossen

Zum kommenden Wintersemester sollen Bewerber fürs Medizinstudium bevorzugt werden, die später in Mangelregionen arbeiten wollen.

Veröffentlicht: 15.05.2020, 17:55 Uhr

SAARBRÜCKEN. Die Landarztquote ist im Saarland jetzt beschlossene Sache. Der saarländische Landtag hat den entsprechenden Gesetzentwurf einstimmig beschlossen.

Damit können zum kommenden Wintersemester an der Universität des Saarlandes voraussichtlich 20 der 280 Medizin-Studienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrem Studium mindestens zehn Jahre als Allgemeinmediziner in einem unterversorgten ländlichen Gebiet des Saarlandes zu arbeiten.

Wer seinen Medizin-Studienplatz nach der neuen Quote erhält, muss einen Vertrag abschließen. Darin ist auch eine Strafzahlung von 250.000 Euro vorgesehen, falls der Student nach seiner Ausbildung doch nicht in einer Mangel-Region des Saarlandes arbeiten will. Auswahlkriterien für einen Studienplatz nach der Landarztquote sind neben der Bereitschaft, einen solchen Vertrag abzuschließen, die Abiturnote, ein Test, mögliche Berufserfahrung und ein Auswahlgespräch.

Barmer kritisiert Landarztquote

Anlass für das Gesetz ist der auch im Saarland befürchtete Mangel an Hausärzten. „Von 660 niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten haben fast 38 Prozent das 60. Lebensjahr überschritten“, heißt es in der Begründung für das Gesetz. Landesweit arbeiteten knapp 19 Prozent der Hausärzte über das 65. Lebensjahr hinaus.

Kritik an der neuen Landarztquote kam von der Krankenkasse Barmer. „Die Landarztquote wirkt frühestens in zehn Jahren“, kritisierte die Landesgeschäftsführerin der Barmer im Saarland, Dunja Kleis.

Der Hausärztemangel könne schneller bekämpft werden, wenn die KV selbst Arztpraxen betreibe und dort junge Ärzte anstelle. So etwas gebe es schon zum Beispiel in Thüringen, Brandenburg und Baden-Württemberg und Sachsen. Die Krankenkasse rechnet damit, dass zahlreiche Nachwuchsmediziner die Anstellung vorziehen, da sie so Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren könnten. (kin)

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