Leitartikel zum Medizintourismus

Wackelndes Podest?

Deutschland ist beliebtes Ziel für Patienten aus dem Ausland. Doch andere Regionen schlafen nicht. Asien, die Golfregion, aber auch Südamerika rüsten auf, um Ströme gut betuchter Patienten in ihre Länder umzuleiten.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Betuchte arabische Patienten sind gerne gesehen in deutschen Kliniken. Aber auch andere Länder buhlen immer stärker um diese Zielgruppe.

Betuchte arabische Patienten sind gerne gesehen in deutschen Kliniken. Aber auch andere Länder buhlen immer stärker um diese Zielgruppe.

© Caro/imago

Im vergangenen Jahr kamen knapp 83.000 Patienten aus dem Ausland nach Deutschland, um sich hier einer stationären Krankenhausbehandlung zu unterziehen - eine Steigerung gegenüber 2011 um 7,5 Prozent.

Weitere 123.000 ausländische Patienten ließen sich ambulanten behandeln. Insgesamt brachte dies der deutschen Gesundheitswirtschaft einen zusätzlichen Umsatz von rund eine Milliarde Euro.

Auf diese Zahlen weist die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hin, an der unter Leitung von Jens Juszczak zum Medizintourismus in Deutschland geforscht wird.

Die Bundesrepublik hat sich somit innerhalb Europas auf Platz 1 der Destinationen für Medizintouristen behandelt. Heißt es also: Medizintourismus - eine deutsche Erfolgsgeschichte?

Die Hochschule unterstützt auch die Region Bonn, Köln, Düsseldorf, die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit dem Ziel gefördert wird, die "Health Destination Rhineland" für zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland attraktiv zu machen.

Zielgruppen sind gut betuchten Patienten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie aus der Golfregion.

Russische Police deckt Kosten für Auslandsbehandlung

Auf diese beiden Patientengruppen haben es aber auch Kliniken anderer Länder abgesehen, die von der medizinischen Qualität her gesehen durchaus ernst zu nehmende Alternativen bieten können. Dabei spielt ihnen zumindest bei der russischen Klientel eine Versicherungslösung in die Hände.

Wie der Gesundheitsdienstleister almeda informiert, sind allein im Jahr 2010 mehr als 100.000 russiche Patienten - die meisten von ihnen aus dem Großraum Moskau - zur medizinischen Behandlung ins Ausland geflogen. Sie fliehen vor allem vor der miesen Qualität der medizinischen Versorgung in Russland.

Wie almeda mitteilt, gibt es für Russen eine "Medipass" genannte Versicherung, die die Kosten für eine Auslandbehandlung zum Beispiel in den Indikationen Herz-Kreislauf, orthopädische Erkrankungen, Hautkrankheiten oder Erkrankungen des Nervensystems übernimmt.

Lesen Sie diesen Artikel in unserer App-Ausgabe vom 8.10.13 weiter und erfahren Sie, warum gerade die Türkei in Sachen Medizintourismus aufrüstet und wie Thailand die Nummer eins in Asien werden möchte.

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