Mumienspezialist

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, meinen Wissenschaftler.

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Mit 1,84 Meter war der Frankenkaiser Karl der Große ungewöhnlich groß für seine Zeit. Doch: Gicht plagte seine Gelenke.

Mit 1,84 Meter war der Frankenkaiser Karl der Große ungewöhnlich groß für seine Zeit. Doch: Gicht plagte seine Gelenke.

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AACHEN. Karl der Große starb am Morgen des 28. Januar 814 in Aachen, am Abend war er schon bestattet. Was brachte den mächtigsten Mann des Mittelalters um? Über 1200 Jahre danach gehen zwei Wissenschaftler davon aus, dass den mit 1,84 Meter tatsächlich großen Frankenkaiser im fortgeschrittenen Alter die Gicht plagte. „Wahrscheinlich ist, dass er zu der Gicht noch eine Lungenentzündung hatte“, sagt der Mumienspezialist Frank Rühli vom Institut für Evolutionäre Medizin an der Universität Zürich. Beweisen lasse sich das allerdings nicht.

Rühli und der Anthropologe Joachim Schleifring haben eine Analyse der Knochen Karls des Großen, geboren wahrscheinlich zwischen 742 und oder 748, im Fachjournal „Economics and Human Biology“ veröffentlicht (doi: 10.1016/j.ehb.2018.11.002).

94 erhaltene Knochen

Schleifring erinnert sich noch gut an den Geruch, der ihm bei der – bisher letzten - Graböffnung 1988 entgegenschlug: „Mir ist aufgefallen, dass die Skelettteile so streng gerochen haben. Kaum haben wir den Deckel aufgemacht, kam uns der Geruch entgegen“, erzählt er. Da lagen sie dann: 94 erhaltene Knochen und Knochenfragmente, auf einem roten Tuch fein säuberlich aufgereiht, mit rotem Band oder Goldfäden fixiert.

Schleifring protokollierte Ablagerungen an Schien- und Fersenbein, wie sie bei Gicht üblich sind. Diese Krankheitshypothese sieht der Mediziner Rühli auch durch Ernährungsgewohnheiten erhärtet: Karl war einem guten Hirschbraten nie abgeneigt – ausgiebiger Fleischverzehr gilt als Risikofaktor für die Stoffwechselerkrankung. Und dass er im fortgeschrittenen Alter hinkte, passt auch zu der Annahme. An Gicht allein stirbt zwar niemand, sie könnte den Frankenkaiser aber entscheidend geschwächt haben.

Zum Zeitpunkt seines Ablebens herrschte Karl über ein Reich, das weite Teile Mittel- und Westeuropas umfasste. Sein Tod kam nach einem Bad, und zwar recht schnell. Karl bekam Fieber. „Er aß nichts mehr, trank kaum noch etwas“, sagt Rühli mit Verweis auf historische Quellen.

Am siebten Tag sei er dann gestorben, habe seine letzten Waschungen erhalten und sei noch am gleichen Tag beerdigt worden. Aufgrund der Gesamtumstände hält der Schweizer Mediziner eine Lungenentzündung für wahrscheinlich.

Verblüfft waren die Wissenschaftler von einem kleinen Seidensäckchen mit mumifiziertem Gewebe - vermutlich Muskulatur, meint Rühli und schließt daraus, dass Karls Leiche zumindest teilweise mumifiziert wurde. „Offensichtlich hat man ihn an diesem Tag, bis man ihn beerdigt hat, schon relativ umfangreich bearbeitet und nicht nur in ein Leichentuch getan und eingesargt“, sagt der Mediziner.

Chemische Konservierungsmittel verwendet?

Um diese Annahmen wissenschaftlich zu erhärten, müsste man den Karlsschrein noch einmal öffnen, meint Rühli. Schleifring hält das auch aus konservatorischen Gründen für sinnvoll. Der beißende Geruch vor 30 Jahren könnte aus chemischen Konservierungsmitteln stammen. Hat sich der Zustand der Gebeine dadurch verschlechtert?

„Der Schrein wurde 1988 verschlossen mit der Absicht, die Ruhe des Toten nicht wieder zu stören“, sagt die Leiterin der Aachener Domschatzkammer, Birgitta Falk. Die Knochen seien darin unter guten klimatischen Bedingungen in einer Vitrine untergebracht. „In ihrem gleichbleibenden Klima können sie viele Hundert Jahre ohne weitere Schäden überdauern. Daher gibt es in absehbarer Zeit keinen Grund, den Schrein zu öffnen.“ (dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Märchenstunde bei der "dpa"?

Schleifring erinnert sich noch gut an den Geruch, der ihm bei der – bisher letzten - Graböffnung 1988 entgegenschlug: „Mir ist aufgefallen, dass die Skelettteile so streng gerochen haben. Kaum haben wir den Deckel aufgemacht, kam uns der Geruch entgegen“, erzählt er. Da lagen sie dann: 94 erhaltene Knochen und Knochenfragmente, auf einem roten Tuch fein säuberlich aufgereiht, mit rotem Band oder Goldfäden fixiert.

Wenn Karl der Große am Morgen des 28. Januar 814 in Aachen gestorben ist, wäre es schon sehr verwunderlich, dass bei der bisher letzten Graböffnung 1988 den Wissenschaftlern k e i n strenger Geruch entgegengeschlagen ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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