Gesellschaft

Das Gesicht als Spiegel von Emotionen und Entwicklung

Von Klaus Brath Veröffentlicht:

Rembrandt Harmensz van Rijn - der Name steht für das glanzvollste Kapitel im goldenen Zeitalter der holländischen Malerei, für meisterliche Bildkompositionen und Lichtinszenierungen, für Kunstwerke von einzigartiger Tiefe des seelischen Ausdrucks. Am 15. Juli jährt sich der Geburtstag des Ausnahmekünstlers zum 400. Mal.

Rembrandts Oeuvre, das das "Rembrandt Research Project" seit 1968 kunstwissenschaftlich und röntgenologisch einer strengen Authentizitätsprüfung unterzieht, umfaßt Historienbilder, Landschaften, Porträts.

Zu seinen berühmtesten Werken zählen die Gemälde "Die Nachtwache" (1642), "Die Staalmeesters" (1662), "Die Judenbraut" (1667) und ein frühes Gruppenporträt, das er 1632 für die Amsterdamer Chirurgengilde schuf: "Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp" zeigt den Arzt und späteren Amsterdamer Bürgermeister Dr. Tulp, wie er vor staunenden Standeskollegen die Sehnen im Arm demonstriert.

24 Jahre später schuf Rembrandt mit der "Anatomie des Dr. Johan Deijman" ein weiteres beeindruckendes Anatomiedokument, auf dem er den Blick auf die geöffnete Bauchdecke und das freigelegte Gehirn der Leiche eines zum Tode verurteilten Diebes lenkt.

Die Anatomiebilder sind Rembrandts bekannteste, jedoch keineswegs einzigen Werke von ärztlicher Relevanz. Da sind etwa die einfühlsamen Porträts seines jüdischen Arztes Ephraim Bonus, das Porträt des Arztes Arnold Tholinx mit dem Symbol der Gelehrsamkeit, der Nietbrille, und des Leidener Professors Jan Antonides van der Linden, den Rembrandt in seiner letzten Radierung darstellte. Auch Krankenporträts finden sich in seinem Oeuvre.

Das Spektrum reicht von Darstellungen blinder Menschen über Ganzfigurenporträts von Bettlern mit Holzbein bis zu Skizzen seiner kranken Frau Saskia. Nicht zu vergessen schließlich Rembrandts biblische Historienbilder mit medizinischen Bezügen.

Hierzu zählen die Radierung "Die Beschneidung im Stall", das Gemälde "Tobias heilt seinen erblindeten Vater" und die brillante Radierung "Christus heilt die Kranken", auch bekannt als "Hundertguldenblatt".

Mit Krankheit und Tod mußte sich Rembrandt ein Leben lang auseinandersetzen. Seine erste Frau starb an Tuberkulose, seine zweite an der Pest, ebenso sein Sohn Titus, der zunächst als viertes und einziges Kind aus seiner ersten Ehe überlebte und dennoch ebenfalls vor ihm starb.

Vielleicht führte auch diese Tragik dazu, daß sich Rembrandt so intensiv wie kaum ein anderer Künstler den Wandlungen seines Gesichts widmete, in dem sich die Emotionen spiegelten. Seine unerreichte Serie von Selbstporträts, von den frühen Mimikstudien über die selbstbewußten Inszenierungen der mittleren Jahre bis hin zu den reifen Altersbildnissen, fasziniert bis heute.

Angebot für Leser der "Ärzte Zeitung"

In Zusammenarbeit mit internationalen Rembrandt-Museen ist eine "Rembrandt DVD + CD-Rom" herausgegeben worden. Die DVD zeigt das Leben und die Entwicklung des Künstlers. Die Ära von Rembrandt, das goldene Zeitalter, wird wieder lebendig. Leben, Werk und Techniken des Malers sind hier interaktiv zugänglich.

Die Rembrandt DVD ist zusammen mit der CD-Rom in einem Luxusgeschenkbox verpackt. Lieferbar ist sie in verschiedenen Versionen, sowohl in PAL als in NTSC und in neun Sprachen. Das Produkt kostet 24,95 Euro. Leser der "Ärzte Zeitung" bekommen sie günstiger, nämlich für 19,95 Euro.

Weitere Infos und Bestellung für Leser der "Ärzte Zeitung" im Internet unter: www.rembrandtdvd.com/az/ (ohne Umlaute) 

Rembrandts Vita

  • 15.7.1606 Geburt in Leiden als neuntes Kind calvinistischer Eltern (Vater ist Müller)
  • 1613-1620 Besuch der Lateinschule in Leiden.
  • 1620-1623 Lehre beim Leidener Maler Jacob van Swanenburgh
  • 1625 Gründung einer Ateliergemeinschaft mit Jan Lievens
  • 1628 Gerrit Dou wird Rembrandts erster Schüler
  • 1631 Übersiedlung nach Amsterdam
  • 1634 Heirat mit der Patriziertochter Saskia van Uylenburgh, der Nichte seines Kunsthändlers
  • 1639 Kauf eines vornehmen Hauses in Amsterdam, des heutigen Museums Het Rembrandthuis
  • 1642 Vollendung des berühmtesten Gemäldes, der sogenannten "Nachtwache". Tod Saskias
  • 1647 Hendrickje Stoffels wird - nach zwischenzeitlichem Verhältnis und Zerwürfnis mit Geertje Dircx - Rembrandts neue Lebensgefährtin
  • 1656 Der "Hohe Rat von Holland" erklärt Rembrandt für bankrott. In der Folge Verkauf von Rembrandts Haus und Kunstsammlung
  • 1660 Sohn Titus und Hendrickje Stoffels gründen einen Kunsthandel, in dem Rembrandt als Angestellter fungiert
  • 1669 Tod Rembrandtsam 4. Oktober 

Veranstaltungen zum Rembrandt-Jahr

Die Niederlande feiern 2006 das Rembrandt-Jahr. Zu den Höhepunkten zählen Sonderausstellungen in Amsterdam, Leiden und Den Haag; Rundgänge zu historischen Rembrandt-Stätten in Amsterdam und Leiden sowie "Rembrandt - das Musical", das am 15. Juli in Amsterdam Premiere hat.

Weitere Infos im Internet unter: www.Rembrandt.com

Die Staatlichen Museen zu Berlin präsentieren vom 4. August bis 5. November gleich drei Ausstellungen:

  • "Rembrandt. Ein Genie auf der Suche"
  • "Rembrandt. Der Zeichner"
  • "Rembrandt. Ein Virtuose der Druckgraphik"

Weitere Infos unter: www.smb.spk-berlin.de

Es gibt sogar einen neuen Roman über Rembrandt: In der Geschichte von Alexandra Guggenheim erhält der kranke, verarmte Rembrandt in seinem letzten Lebensjahr den Auftrag, einen bekannten Anatomen zu porträtieren.

Alexandra Guggenheim: "Der Gehilfe des Malers. Ein Rembrandt-Roman". Kindler Verlag, Berlin. 265 Seiten. 19,90 Euro. ISBN: 3-463-40492-3 

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