Nobelpreiverleihung

Denis Mukwege – Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Die Gewinner der Nobelpreise haben am Montag ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei der Arzt Denis Mukwege, Träger des Friedensnobelpreises.

Veröffentlicht: 10.12.2018, 13:17 Uhr
Denis Mukwege – Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

König Harald von Norwegen steht am Vorabend der Preisübergabe zwischen den beiden Friedensnobelpreisträgern Denis Mukwege (l), Arzt aus dem Kongo, und Nadia Murad (r), Menschenrechtsaktivistin aus dem Irak, im Königlichen Palast.

© Lise Aserud/NTB scanpix/dpa

OSLO/STOCKHOLM. In Oslo und Stockholm haben am Montag die Träger der diesjährigen Nobelpreise ihre Auszeichnung entgegengenommen. Den Friedensnobelpreis, der traditionell in Oslo vergeben wird, bekommt dabei – neben der irakischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad (25) – der kongolesische Arzt Denis Mukwege (63). Beide setzen sich gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegs- und Konfliktgebieten ein.

Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Verleihung am Sonntag forderten die beiden Preisträger die Weltgemeinschaft erneut auf, Gewalt gegen Frauen in Kriegen zu bekämpfen. „Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es nicht ausreicht, darüber zu reden und es anzuprangern“, sagte der Gynäkologe Mukwege. „Wir müssen nun wirklich handeln.“

Der 63-Jährige gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen – und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt.

Sexuelle Gewalt im Kongo – „Es war ein Alptraum“

Mukwege gründete 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im Osten des Kongo. Während eines Krieges und danach, der Ende der 1990er und Anfang der 2000er herrschte, kamen immer mehr Opfer von sexueller Gewalt in seine Klinik. „Es war ein Alptraum“, erinnert er sich. Mehr als 50.000 Frauen haben er und sein Team schon behandelt.

Der Nobelpreis sei sehr wichtig, so Mukwege, weil nun die ganze Welt wisse, welcher Gewalt Frauen ausgesetzt seien. „Die Körper von Frauen sind zu Schlachtfeldern geworden“, sagte Mukwege. Die internationale Gemeinschaft trage eine Verantwortung. „Die Täter müssen wissen, dass die Welt sie für ihre Taten betrafen wird.“

Mukwege wurde 1955 als Sohn eines Pastors in Bukavu geboren. Er studierte in Burundi Medizin und lies sich später in Frankreich zum Gynäkologen ausbilden. Heute bemüht er sich zunehmend, nicht nur die physischen, sondern auch die psychischen Wunden der Opfer zu heilen. Als Menschenrechtler setzt er sich zudem auf politischer Ebene dafür ein, Vergewaltigungen als Kriegswaffe ein Ende zu setzen.

Das hätte Mukwege wohl fast das Leben gekostet. 2012 überfielen Bewaffnete sein Haus in Bukavu, ein Freund von ihm wurde dabei getötet. „Das war der schwierigste Moment in meinem Leben“, sagt er. Auch heute noch bestehen für ihn und sein Team große Gefahren. Im vergangenen Jahr wurde ein Kollege von Mukwege getötet. „Aber diesmal hab ich ein anderes Gefühl bekommen“, sagt er. „Ein Gefühl der Revolte. Wir müssen diesen Krieg beenden.“

Nadia Murad – selbst Opfer sexueller Gewalt

Die Irakerin Nadia Murad, zweite Preisträgerin des Friedensnobelpreises wurde selbst Opfer von sexueller Gewalt als Waffe. Sie war wegen ihrer Religion mehrere Monate lang von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Sex-Sklavin gehalten und brutal missbraucht worden.

Murad gelang jedoch die Flucht. Inzwischen lebt sie in Baden-Württemberg und den USA und kämpft dafür, dass die Terroristen vor ein internationales Gericht kommen. „Dieser eine Preis kann die Gewalt gegen Frauen und Kinder nicht ungeschehen machen“, sagte Murad. „Aber er kann Türen öffnen, sodass wir noch mehr Regierungen dazu bringen können, dass diese Taten zur Anklage kommen.“

Mukwege sagte, er habe großen Respekt vor Murad, weil sie darüber spreche, was ihr zugestoßen ist. „Schweigen hält die Gewalt am Leben, Tabu hält die Vergewaltigungskultur am Leben“, sagte der Arzt. Vergewaltiger würden fortsetzen zu vergewaltigen, weil sie wüssten, dass die Frauen aus Scham nicht darüber sprechen würden. „Nadia hat das überwunden, um gegen die Vergewaltigungskultur zu kämpfen.“ (dpa)

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