Der kranke Mensch als Ressource?

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Das Gesundheitswesen ist im Wandel. "Es naht das Ende der klassischen Medizin" und die "Deprofessionalisierung des Arztberufs", sagt Paul U. Unschuld. In seinem Buch "Ware Gesundheit" beschreibt der Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstitutes am Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Charité in Berlin, wie die zunehmende Ökonomisierung Ärzte verdrängt und neue Akteure an die Macht bringt, die kranke Menschen als Ressource und Gesundheit als Ware betrachten.

"Ärzte und Apotheker verlieren zunehmend Kompetenzen und ihre Bedeutung als Entscheidungsträger", sagt Unschuld. Er erklärt dies in seinem Buch mit einem Blick zurück. Zu einem Standesberuf wie dem der Ärzte gehörten folgende Merkmale: Sie schaffen ihr Wissen selbst, sie entscheiden über die Anwendung ihres Wissens und sie bestimmen, welche Entlohnung sie erhalten. "Diese Epoche neigt sich dem Ende zu", sagt Unschuld. Schritt für Schritt zeigt er auf, wie Ärzte vom Gestalter zum Mitgestalter und vom Verantwortlichen zum Mitverantwortlichen werden. Die Grundlagenforschung liegt längst in der Hand von Molekularbiologen, Fortschritte im diagnostischen und therapeutischen Bereich kommen aus der medizinisch-technischen und pharmazeutischen Industrie. Überlegungen, welche Anwendungen, Therapien und diagnostische Methoden zum Tragen kommen, folgen den Regeln des Marktes. Für Unschuld ist die Entwicklung "unvermeidlich und unumkehrbar", denn: "Die große Umwälzung unterliegt einer historischen Dynamik, die menschliches Handeln mehr lenkt, als dass sie von menschlichem Handeln gelenkt würde." (ine)

Paul U. Unschuld: "Ware Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin", C.H.Beck, München, 2009, 9,95 Euro ISBN 978-3-406-59284-3.

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