"Die Israelis wollten damit ein Exempel statuieren"

Der Anschlag der Israelis auf die Hilfsflotte ist eine Woche her - vergessen ist er noch nicht.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Israel behauptete, sie hätten sich mit ihrem harten Einsatz gegen die Aktivisten lediglich verteidigt. © dpa

Israel behauptete, sie hätten sich mit ihrem harten Einsatz gegen die Aktivisten lediglich verteidigt. © dpa

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FRANKFURT/MAIN. Die Bilder gehen Matthias Jochheim nicht aus dem Kopf. Eine Woche nach dem israelischen Angriff auf die "Gaza-Solidaritätsflotte" fühlt sich der Frankfurter Allgemeinmediziner und Psychotherapeut vor allem erschöpft. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland hat er in vielen Gesprächen über seine Erfahrungen berichtet. Die große Anteilnahme, die ihm entgegengebracht wird, hilft ihm, das Erlebte zu verarbeiten.

Jochheim, stellvertretender Vorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), war mit 600 anderen Friedensaktivisten an Bord der "Mavi Marmara", die im Verbund einer Flotte Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen bringen wollte (wir berichteten). In der Nacht vom 30. auf dem 31. Mai versah der Arzt bis vier Uhr morgens Wachdienst an Bord, bevor er abgelöst wurde und sich im Unterdeck schlafen legte. Eine halbe Stunde später wurde er durch einen lauten Knall geweckt. Wie sich herausstellte, hatten die Israelis ihren Angriff mit einer Schockgranate eingeleitet. An Bord brach Chaos aus. Schüsse fielen, Verletzte wurden ins Unterdeck gebracht, schließlich auch Tote. Jochheim und seine Mitstreiter reagierten geschockt: "Wir hatten mit allem gerechnet - mit Rangeleien, mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas - aber doch nicht mit tödlicher Munition."

Bei dem Angriff auf die Hilfsgüterflotte durch die Israelis gab es zahlreiche Verletzte und neun Tote. © dpa

Bei dem Angriff auf die Hilfsgüterflotte durch die Israelis gab es zahlreiche Verletzte und neun Tote. © dpa

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Von vermummten Soldaten werden die Friedensaktivisten auf das Oberdeck verfrachtet, wo sie, mit auf den Rücken gefesselten Händen und auf Knien hockend, ausharren müssen, bis die Schiffsflotte in den Hafen von Ashdot einlief. Während der Überfahrt seien er und seine Mitstreiter, die alle unbewaffnet gewesen seien, durch Schreie der Soldaten eingeschüchtert worden. "Mein Eindruck ist, dass die Israelis mit ihrer gewaltsamen Aktion, die weit über das Maß einer Selbstverteidigung hinausging, ein Exempel statuieren wollten", vermutet Jochheim. "Um weitere Unternehmungen, die Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen, ein für alle Mal zu unterbinden."

Die langfristigen Folgen des Angriffs, bei dem neun Friedensaktivisten getötet wurden, sind noch nicht abzuschätzen. Für Jochheim ist jedoch klar, dass seine Organisation, die IPPNW, "sicher nicht mehr an Aktionen teilnehmen wird, bei denen wir fürchten müssen, dass Menschen sterben". Mit einer solchen Eskalation habe man auch bei der Teilnahme an der Gaza-Solidaritätsflotte nicht rechnen können, aber künftig werde man wohl noch vorsichtiger vorgehen. Jochheim glaubt jedoch nicht, dass das Kalkül der Israelis aufgeht. "Wir hoffen natürlich, dass sich durch die Aktion auf der Regierungsebene etwas verschiebt und der internationale Druck zu einer Öffnung des Gaza-Streifens führt", sagt er. "So könnte sich aus dem Bösen am Ende doch noch etwas Gutes entwickeln."

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