Gesellschaft

Döblins Arztberuf hinterließ Spuren in seinen Werken

NEU-ISENBURG (kbr). "Ich werde, wenn die Umstände mich drängen, eher, lieber und von Herzen die Schriftstellerei ... aufgeben, als den inhaltsvollen anständigen, wenn auch sehr ärmlichen Beruf eines Arztes" - so charakterisierte Alfred Döblin 1927 seine beruflichen Vorlieben. Ist heute von ihm die Rede, geht es meist um den Autor.

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Als er 1929 seinen später von Rainer Werner Fassbinder verfilmten Jahrhundertroman "Berlin Alexanderplatz" veröffentlichte, umfasste Döblins Medizinlaufbahn bereits 30 Jahre: 1878 in Stettin geboren, studierte er Medizin in Berlin und Freiburg, arbeitete danach in Irrenanstalten in Regensburg und Berlin, wo er sich 1911 als Kassenarzt niederließ: zunächst als praktischer Arzt, später als Nervenarzt und Internist. Heute nun jährt sich der Todestag Döblins zum 50. Mal.

Seine Erfahrungen als Armenarzt im Berliner Osten und die Begegnungen mit kranken und wunderlichen Patienten haben thematische Spuren in seinen bahnbrechenden Werken hinterlassen: So tötet sich in der Erzählung "Die Tänzerin und der Leib" (1910) eine schwer kranke Tänzerin vor den Augen ihres Arztes. In der expressionistischen Geschichte "Die Ermordung einer Butterblume" (1913) verfällt ein scheinbar gewöhnlicher Mann dem Wahnsinn. Und auch in der beklemmenden Geschichte vom gutwilligen Franz Biberkopf, der im Moloch der Großstadt versinkt (1929), finden sich Versatzstücke aus Döblins Wirken als Psychiater.

Als ein Meister der Montagetechnik und des inneren Monologs bediente sich Döblin der Medizin auch stilistisch: Mal ließ er seine literarischen Figuren konfabulieren und phantasieren. Mal skizzierte er sich selbst als Patient: "Er ist 160 Zentimeter groß. Nacktgewicht 114 Pfund; Brustumfang, Einatmung: 92 cm, Ausatmung: 86 cm; Kopfmaße: Umfang 58,5 cm, Längsdurchmesser 22 cm, Querdurchmesser 16 cm. Er ist hereditär stark kurzsichtig und astigmatisch."

Als Jude endete Döblins ärztliche Berufstätigkeit 1933; damit war ihm für den Rest des Lebens die Basis der Existenzsicherung entzogen. Er emigrierte in die Schweiz, Frankreich und USA - und wurde auch nach seiner Rückkehr 1945 nicht mehr heimisch. Döblin, starb 78-jährig als Pflegefall im Landeskrankenhaus Emmendingen.



Aktuelle Literatur zu Alfred Döblin

Dass Döblin weiterhin von literarischem Interesse ist, zeigt die große Zahl von Neuerscheinungen, darunter:

  • Döblins Dissertation, "Gedächtnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose", Tropen Verlag 2006, 16,80 Euro, ISBN: 978-3-932170-86-7
  • Erzählband: Alfred Döblin: Leben und Werk in Erzählungen und Selbstzeugnissen, Artemis & Winkler Verlag 2006, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-538-07001-1
  • Kurz-Biografie: Oliver Bernhardt: Alfred Döblin, Dtv 2007, 10 Euro, ISBN 9783-423-31086-4
  • Alfred Döblin: Lebensweisheiten, Dtv 2007, 6 Euro, ISBN 978-3-423-13548-1 (kbr)
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