Doping-Forschung

Doping-Bekämpfer Werner Franke wird 80

Provokant, kompromisslos und couragiert: Seit Jahrzehnten kämpft keiner so scharfzüngig gegen Doping und die Helfershelfer wie Werner Franke, der am Freitag seinen 80. Geburtstag feiert. Den Betrügern wird es nicht gefallen: Statt Ruhestand plant er ein neues Buch.

Von Andreas Schirmer Veröffentlicht: 30.01.2020, 16:39 Uhr
Doping-Bekämpfer Werner Franke wird 80

Die hohe Kunst der Diplomatie ist nicht seine Leidenschaft: Der profilierte Anti-Doping-Kämpfer Professor Werner Franke wird am 31. Januar 80 Jahre alt.

© Christoph Soeder / dpa

Frankfurt/Main. Für Doper und ihre Hintermänner muss es wie eine Drohung klingen. „Wir werden noch einmal etwas schreiben“, kündigte der unermüdliche und kompromisslose Doping-Aufklärer Werner Franke ein neues Buch mit Hilfe seiner Frau Brigitte Berendonk an. Der weltweit bekannte Heidelberger Zellbiologe kämpft mehr als sein halbes Leben lang mit großem Sachverstand und aufrüttelnder Provokation gegen den Sportbetrug. An diesem Freitag wird Franke zwar 80 Jahre alt. Er hat aber seine fundierte Haudrauf-Mentalität nicht verloren.

DDR-Staatsdoping aufgedeckt

„Ich verachte nach wie vor den deutschen Sport“, sagte der gebürtige Paderborner, der das systematische Staatsdoping in der DDR aufdeckte, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Mauerfall fand er mit seiner Frau in der Militärmedizinischen Akademie Bad Saarow geheime Unterlagen zur Doping-Forschung in der DDR. Das 1991 veröffentlichte Buch „Doping-Dokumente – Von der Forschung zum Betrug“ sorgte weltweit für Aufsehen.

Auch als Reaktion auf das Buch, in dem viele in das DDR-Doping verstrickte Athleten, Trainer und Funktionäre mit Namen, Dosierungen und Anweisungen genannt werden, führte Franke rund 100 Prozesse. „Alle wurden im Wesentlichen gewonnen. Und man konnte damit Dinge öffentlich machen“, sagte er. Für ihn war aber auch klar: „Es gab auch im Westen ein System.“

Von Jan Ullrich verklagt

So prangerte Franke die Doping-Unterstützung von Radsportlern durch die Freiburger Sportmedizin an und wurde von Jan Ullrich verklagt. Er hatte behauptet, dass das einstige Radidol gegen Geld verbotene Dienste beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes in Anspruch nahm. Nach vier Jahren gewann Franke den Prozess.

Wortmächtig meldete er sich weiter zu Wort – auch gegen lange Weggefährten vom Verein Doping-Opfer-Hilfe, deren Mitbegründer er war. Heute wirft er ihnen vor, Opferzahlen nach oben zu treiben und unwissenschaftlich vorzugehen.

Kontrollen sind „pille-palle“

Außerdem findet er die Doping-Kontrollen „pillepalle“ und die Welt-Anti-Doping-Agentur nicht unabhängig genug. Dass bei den Olympischen Spielen in Tokio weniger gedopt werden wird, glaubt er nicht: „Wieso? Nur die Dosierungen sind inzwischen geringer.“

Dass dies so ist, schreibt sich der Wissenschaftler selbst auf die Fahne. „Das ist ein Erfolg“, sagte Franke. „Die körperverletzenden Mittel sind weniger geworden. Insofern sei das Dopen schonender, „so dass es keine bizarren Wesen“ mehr gebe, auf die ihn Brigitte Berendonk nach ihrer Teilnahme bei den Olympischen Spielen 1968 aufmerksam machte. Nachdem ihr die tiefen Stimmen und der ungewöhnliche Haarwuchs von Sportlerinnen aufgefallen war, hatte sie ihren Mann gefragt: „Und, was macht die Wissenschaft dagegen?“

DKFZ richtet Doping-Archiv ein

Für den Sportpädagogen und Anti-Doping-Wegbegleiter Gerhard Treutlein ist Frankes Engagement nicht hoch genug einzuschätzen. „Um den Kampf gegen Doping und der Sauberkeit im Sport würde es viel schlimmer stehen, wenn es ihn und Brigitte Berendonk nicht gegeben hätte“, sagte er. Franke habe es geschafft, die Entwicklung des Dopings etwas zu verlangsamen. „Der Spitzensport ist aber unverändert verseucht“, betonte Treutlein.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, an dem Franke seit 1973 forscht und lehrt, wird ein Doping-Archiv einrichten, in dem die zahllosen Dokumente, Schriftstücke und Prozessakten verwahrt werden sollen. „Dorthin sollen alle Dokumente kommen, manche liegen noch an geheimen Orten“, sagte Franke, der sein Jahrzehnte langes Wirken wie folgt bilanziert: „Ich habe den Finger in die Wunden gelegt.“ (dpa)

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