Digitalisierung

Ein Jahr ePA: Hausärzte und Verbraucherschützer sind ernüchtert und fordern zügige Weiterentwicklung

Die elektronische Patientenakte (ePA) steht im Zentrum der Digitalisierung der Versorgung: Hausärzte und Patientenvertreter wollen schnell Mehrwerte sehen. Und die Verbraucherzentrale fordert: Nicht jede Kasse braucht eine eigene ePA-App.

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Symbolbild mit Stethoskop und Smartphone, auf dessen Display steht: ePA - elektronische Patientenakte

Zersplitterte App-Landschaft: Die technischen Spezifikationen für die elektronische Patientenakte (ePA) sind für alle Krankenkassen gleich. Die ePA-Apps sehen aber sehr unterschiedlich aus.

© Stockwerk-Fotodesign / stock.ado

Berlin. Während die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die elektronische Patientenakte (ePA) in ihrer Digitalisierungsstrategie zum zentralen Digital-Tool für die Gesundheitsversorgung auserkoren hat, fordern Hausärzte und Patientenvertreter zügige Verbesserungen ein.

Ramona Pop, Vorständin Verbraucherzentrale Bundesverband

Ramona Pop, Vorständin Verbraucherzentrale Bundesverband

© Plambeck / vzbv

„Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut“, konstatiert Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. In der Berliner Morgenpost kritisierte er den „absurd komplizierten Registrierungsprozess“, der selbst digital affine Menschen frustriere.

Viele Versicherte wüssten nicht, dass sie überhaupt eine ePA besitzen. Diese sei eine unsortierte PDF-Sammlung und nur eingeschränkt praxistauglich, die Weiterentwicklung dringend notwendig, so Beier.

Verbraucherschützer: „Es läuft nicht rund“

Auch Patientenvertreter wie die Verbraucherzentralen drängen darauf. „Die ePA kann ein echter Gewinn für die Gesundheitsversorgung sein, deshalb setzen wir uns für die Verbesserung ein“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. „So wie sie bislang gestartet ist, bleibt sie aber deutlich hinter den Erwartungen zurück.“

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Pops ernüchtertes Fazit nach rund einem Jahr, nachdem die ePA Anfang 2025 für einen Großteil der gesetzlichen Versicherten von den Krankenkassen eingerichtet wurde: „Es läuft nicht wirklich rund.“

Umfrage: Mehrheit würde digitale Ersteinschätzung nutzen

Wie eine aktuelle Umfrage des vzbv zeigt, hat die ePA zugleich großes Potenzial: 94 Prozent der Befragten kennen die ePA. 71 Prozent würden sie aber noch nicht aktiv nutzen.

In diesem Zusammenhang verwies vzbv-Gesundheitsexperte Lucas Auer auf diese Zahl einer früheren Befragung, die den Ansatz des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zu bestätigen scheint: Zur geplanten Ersteinschätzung in einem Primärversorgungssystem, die auch digital über die ePA laufen soll, wären 62 Prozent der Befragten bereit – sofern sie als Patient dann von kürzeren Wartezeiten auf einen Arzttermin profitieren würden.

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Als Gründe für die fehlende Nutzung der ePA gaben Versicherte gegenüber den Verbraucherzentralen fehlende Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse an. „Die Bedarfe der Patientinnen und Patienten müssen im Mittelpunkt stehen“, forderte Ramona Pop für die Weiterentwicklung der ePA.

Kritik an „zersplitterter Landschaft“ bei der ePA-Entwicklung

Neben „alltagsnahen Mehrwerten“, wie dem digitalen Impf- oder dem Mutterpass, sieht Pop auch mehr Aufklärung und Beratung als Schlüssel. Laut vzbv-Umfrage würden viele Menschen etwa nicht wissen, dass pseudonymisierte Daten aus ihrer ePA an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit weitergeleitet würden. BMG und die Krankenkassen seien in der Pflicht, generell umfassender zu informieren.

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Ein Problem sieht Pop außerdem auf Seiten der gesetzlichen Krankenversicherung: An den zahlreichen ePA-Apps „sehen wir die zersplitterte Krankenkassen-Landschaft“. Nicht jeder müsse eine eigene App haben, warb die vzbv-Vorständin für mehr Zusammenarbeit unter den Krankenkassen bei der App-Entwicklung.

Eine einheitliche App würde die Beratung bei der Anwendung und das Handling für Versicherte vereinfachen. Das Interesse der Krankenkassen sei allerdings groß, „ihre ePA als digitales Aushängeschild zu vermarkten“, sagte vzbv-Experte Auer. (gab)

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