Ein Fahrradhelm mit Platz für Zopf und Frisur

Professor Cornelius Frömmel, Chef der Göttinger Universitätsmedizin, hat eine Vision: er will einen Fahrradhelm entwickeln lassen, der auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist.

Von Heidi Niemann Veröffentlicht:
Zopf im Weg: Viele Frauen haben Probleme beim Aufsetzen eines Fahrradhelms. © pid / ill

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GÖTTINGEN. Die Universitätsstadt Göttingen ist eine Radfahrer-Stadt. Vor allem für die Studenten ist das Rad ein ideales Fortbewegungsmittel. Auch der Chef der Göttinger Universitätsmedizin, Professor Cornelius Frömmel, kommt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. In einem Punkt unterscheidet er sich indes von vielen Studierenden: Er trägt immer einen Helm. Zum Semesterbeginn sagt er beim Empfang der Studienanfänger immer einen Satz: "Entweder fahren Sie mit Helm, oder Sie haben einen Organspendeausweis - am besten beides."

Bislang hat sein Appell jedoch wenig gefruchtet. Vor allem die Studentinnen sind Helmmuffel, hat Frömmel festgestellt. Das soll sich ändern: Zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Charité in Berlin will er einen Fahrradhelm entwickeln lassen, der auch von Frauen akzeptiert wird.

Professor Cornelius Frömmel, Leiter der Göttinger Universitätsmedizin, will Abhilfe schaffen. © pid / ill

Professor Cornelius Frömmel, Leiter der Göttinger Universitätsmedizin, will Abhilfe schaffen. © pid / ill

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"Normalerweise sind Frauen klüger, was die Gesundheit betrifft", meint Frömmel. Frauen gingen eher zur Vorsorge und ernährten sich oft gesünder. Nur beim Radfahren sei dies anders. Nach seinen Schätzungen tragen rund 30 Prozent der männlichen Medizinstudenten in Göttingen einen Helm, bei den Studentinnen liege die Quote dagegen zwischen fünf und zehn Prozent. Für diese Verweigerungshaltung führten sie verschiedene Gründe an. So könnten Helme nicht nur die Frisur beeinträchtigen, sondern seien auch so geformt, dass es beim Tragen eines Zopfes im Nackenbereich drücke.

In dem Kooperationsprojekt wollen die Kliniken nun in Zusammenarbeit mit einem Hersteller nach Lösungen suchen, wie sowohl sicherheitstechnische als auch praktische und ästhetische Gesichtspunkte unter einen Hut beziehungsweise Helm gebracht werden können.

Damit das neue Modell auch tatsächlich akzeptiert werde, sollten auch die Studentinnen selbst mit einbezogen werden, sagte Frömmel. Auch die Sparkasse Göttingen will das Projekt finanziell unterstützen. Spätestens zum kommenden Wintersemester sollen die Studienanfänger zur Begrüßung dann nicht nur die mahnenden Worte zu hören bekommen, sondern auch einen neuen Fahrradhelm erhalten.

"Medizinstudenten sollten bei der Prävention Vorbild sein", meint der Chef der Universitätsmedizin. "Auch deshalb möchte ich, dass alle unsere Studenten mit Helm fahren."

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