Ein Outing für die Liebe und die Partnerschaft

Männer schweigen oft über Probleme mit ihrer Potenz. Eine Kampagne wirbt für den Gang zum Arzt.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Der Gang zum Urologen war für Hans Crede nicht schwer - für sich und seine Frau Margarete war es ein wichtiger Schritt.

Der Gang zum Urologen war für Hans Crede nicht schwer - für sich und seine Frau Margarete war es ein wichtiger Schritt.

© Foto: Herlinde Koelbl/Haas&Health Partner

MÜNCHEN. Nach einer langjährigen Diabetes-Erkrankung versagte bei dem heute 60-jährigen Karl-Heinz Reinhold zunehmend die erektile Potenz. Während er sich schamhaft in ein asexuelles Schneckenhaus zurückzog, wollte sich seine Frau mit diesem Zustand nicht abfinden. Sie schickte ihn zum Urologen. Dort fand Reinhold Hilfe und das Paar zurück zu einer erfüllten Sexualität.

Heute kann Reinhold offen über seine inzwischen überwundene Schwäche reden. Und mit dem Ziel, anderen Männern und Paaren in ähnlicher Situation zu helfen, tut er es gern und öffentlich. Dazu haben sich er und seine Frau Monika der vom Pharma-Unternehmen Lilly finanziell unterstützten Initiative "Helden der Liebe" angeschlossen. Seit zwei Jahren will die Initiative mit Informationslücken, Vorurteilen und Tabus in Sachen Erektionsstörungen aufräumen, sagte Reinhold bei einer Vernissage in München.

Als eine neue Aktion der "Helden der Liebe" konnte die international renommierte Fotografin Herlinde Koelbl -  bekannt etwa durch ihre Fotoserien "Starke Frauen" (1996) oder "Spuren der Macht - Die Verwandlung des Menschen durch das Amt" (1999) -  für ein Fotoshooting gewonnen werden.

Acht Paare, die sich bei der Initiative als betroffene Botschafter mutig für die gute Sache engagieren, ließen ihre Zuneigung in Schwarz-Weiß-Bildern festhalten. Wenngleich nur schulterfrei, lassen die Bilder keinen Zweifel, dass neben der Emotion auch Erotik und sexuelle Erfüllung (wieder) einen hohen Stellenwert im Leben der abgebildeten Paare haben. Die Schwarz-Weiß-Technik soll die Konzentration auf die hier wesentliche mimische Interaktion der Paare erleichtern, so die Fotografin bei der Vernissage über ihre ausgestellten Bilder. Dabei seien derart positiv stimmungsintensive Fotos mit Laien, die mit sich oder ihrer Beziehung unglücklich sind, gar nicht machbar, erklärte Koelbl.

Ob sie denn keine Hemmungen hätten, sich mit vollem Namen in Wort und Bild einer breiten Öffentlichkeit zur Schau zu stellen und damit auch von Bekannten erkannt zu werden, wurden die Reinholds gefragt. Am Anfang sei eine gewisse Überwindung notwendig gewesen, antwortete das Paar. Dem stimmten Lydia Seyfang und Rudolf Resch, ein weiteres Paar in der Kampagne, zu.

Die Fotos kosteten am Anfang Überwindung.

Letztendlich siegte aber die Überzeugung, dass viele Mittel recht sind, andere Betroffene zu ermutigen, aktiv Hilfe zu suchen, wenn das eigene Liebesleben und das des Partners durch eine inzwischen meist überwindbare erektile Dysfunktion bedroht sind. Denn wer darauf hofft, dass einem ein Arzt die Schwellenangst abnimmt und von sich aus das Thema anschneidet, wartet oft vergeblich.

Zumindest der Hausarzt von Karl-Heinz Reinhold, mit dem er sehr zufrieden ist, hatte ihn in den 20 Jahren nie auch nur andeutungsweise gefragt, ob's beim Sex noch zufriedenstellend klappt. Und vielen Bekannten, mit denen er inzwischen darüber gesprochen hat, ging es ähnlich, erzählt Reinhold.

Um das Anliegen der "Helden der Liebe" weiter in die Breite zu tragen, startet Lilly am heutigen Freitag, den 22. Mai, in 14 Städten einen Aktionstag zum Thema Erektionsstörungen und was man dagegen tun kann.

Zwischen zehn und 17 Uhr finden Vorträge sowie Podiumsdiskussionen mit medizinischen Experten und Betroffenen statt. An Büchertischen gibt es Informationsbroschüren sowie Gelegenheit zu vertraulichen Gesprächen unter vier bis acht Augen.

www.helden-der-liebe.de

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