Traumjob

Ein Profi-Fußballer wird Arzt

Profi-Fußballer Tim Göhlert aus Heidenheim tauscht sein Trikot gegen einen Arztkittel. Und erfüllt sich damit einen Lebenstraum.

Von Nikolai Huland Veröffentlicht:

HEIDENHEIM. Tim Göhlert hat genug vom Profifußball. Mit 31 Jahren macht er Schluss damit, tauscht das blau-rot-weiße Trikot von Zweitligist 1. FC Heidenheim gegen einen weißen Kittel und wechselt vom Rasen in die Praxis. Göhlert wird Arzt - sein Traumberuf. "Das wollte ich schon immer werden", sagt er.

Berufsfußballer ist er nur auf Umwegen geworden. Parallel zum Studium hat er fast immer gekickt, sein Aufstieg begann aber erst mit dem Wechsel nach Heidenheim vor über zehn Jahren. "Schon als Kind habe ich alles mit viel Ehrgeiz gemacht. Ich wollte immer im Fußball und in der Schule gut sein", berichtet er.

Göhlert spielt seit 2005 beim 1. FC Heidenheim. Von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga bestritt er über 300 Partien für den FCH, in Ulm studierte er zwölf Semester Medizin. Der FCH stieg immer weiter auf und Göhlert immer weiter mit. Eigentlich war er nur wegen des Studiums nach Baden-Württemberg gezogen.

Trotz Examen kein Training verpasst

Während der Prüfungen zum Staatsexamen habe er kein Training verpasst, erzählt sein Trainer Frank Schmidt. Vielen Ex-Profis fällt der Schritt aus dem aktiven Sport ins konventionelle Berufsleben nicht leicht. Längst nicht alle werden erfolgreiche Trainer, Funktionäre oder Spielerberater. Kaum jemand findet einen Beruf außerhalb der Fußballwelt.

1,5 Prozent der Berufskicker haben einen Studienabschluss, wie eine Studie der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) im vergangenen Jahr ergab. 70 Prozent der befragten Spieler hatten Abitur oder Fachabitur, 14 Prozent eine Berufsausbildung. Arzt wie Göhlert wurden nur wenige Spieler. Der ehemalige Nationalspieler Hans-Josef Kapellmann ging als Orthopäde mal nach Saudi-Arabien.

Etwas kuriosere Karrieren nach der Karriere legten der Ex-Dortmunder Knut Reinhardt und der frühere Profi-Stürmer Nico Patschinski hin. Während Reinhardt Grundschullehrer wurde, arbeitete Patschinski zunächst als Paketbote, dann als Bestatter. "Man sollte gehen, wenn es noch schön ist und bevor es weniger schön wird", sagt Göhlert. In dieser Saison kam er bisher in elf Spielen zum Einsatz, oft nur in der Schlussphase.

Für den Verteidiger war das hart, wie er zugibt. Aber auch seine zwei Kinder waren ein Grund für den Abschied vom Fußball. Als Profi habe man selten frei, wenn Geburtstage oder Hochzeiten gefeiert werden. Vom Sommer an wird er in einer Praxis in Heidenheim mitarbeiten, mit dem Ziel, sie in vier Jahren zu übernehmen und bis dahin den Facharzt in Arbeitsmedizin zu machen.

Ob es davor zu einem letzten Einsatz für den FCH kommt, ist nicht sicher. Nach dem Spiel gegen den VfL Bochum am Sonntag soll der Verteidiger zwar offiziell verabschiedet werden. Doch ein Abschiedseinsatz ist fraglich: Göhlert ist seit Tagen grippekrank. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Situation im Gesundheitswesen

Umfrage: Große Bedenken wegen hausärztlicher Versorgung

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

© HL

Herbstsymposium der Paul-Martini-Stiftung

Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Netzwerkkabel

© tbcgfoto / stock.adobe.com

Abrechnung in Gefahr

TI: Alte Konnektoren müssen bis Ende 2025 ausgetauscht sein!