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"Grenzerfahrungen" regen literarische Kreativität an

Ein 33-jähriger Neurologe aus Pinneberg ist Sieger des Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerbs.

Von Christian Fürst Veröffentlicht:

WIEN/KLAGENFURT. Sein Äußeres scheint in merkwürdigem Kontrast zu seinem Siegertext zu stehen. Hoch aufgeschossen, schlank, volles blondes Haar und ein offener, optimistischer Blick. Man traut Jens Petersen, dem vor 33 Jahren in Pinneberg bei Hamburg geborenen Schriftsteller und Arzt, diese düstere, schmerzvolle Geschichte kaum zu.Und doch konnte er in Klagenfurt beim 33. Ingeborg Bachmann-Preis alle sieben Juroren überzeugen und die 25 000 Euro Preisgeld mit nach Hause nehmen. "Bis dass der Tod..." ist ein beklemmender Text, das letzte Kapitel eines noch unveröffentlichten Romans; realistisch fast bis zur Unerträglichkeit; das empfinden selbst die abgebrühten Juroren, die dem angehenden Neurologen mit dem frischen Gesicht einen der wichtigsten Literaturpreise des deutschsprachigen Raums zugesprochen haben. Als "post-apokalyptische Landschaften" beschreibt einer der berufsmäßigen Kritiker seine Schilderungen der hier beschriebenen Verzweiflungstat. Als "hoch-artifiziellen Text" bezeichnet ihn ein anderer Juror, ein "mit unerhörter Kunst geschaffener, lichtloser Raum", meint ein Anderer.

Jens Petersen, der schon als Medizinstudent ein Weltenbummler gewesen ist, und der nun in Zürich lebt und arbeitet, gibt zu, dass es nicht zuletzt sein Beruf ist, der ihn zum Schreiben dieser bisher unveröffentlichten Zeilen gebracht hat. Dieser "ziemlich extreme Text" (so der Autor selbst) sei Ergebnis eines Maßes an "Grenzerfahrung, das für einen Arzt größer ist als in anderen Berufen". "Ich sehe in meiner Arbeit viel Schmerz", sagt er - fast entschuldigend. Doch der rege seine Kreativität an.

Schreiben sei ihm immer schon ein Bedürfnis gewesen, sagte Petersen in Klagenfurt. Er begann damit bereits als Jugendlicher. Auch journalistisch hat er gearbeitet, doch dann begann er mit dem Medizinstudium in München, Lima, New York und Buenos Aires. Jetzt macht er die Facharztprüfung an der Uni-Klinik von Zürich. Bereits sein erster Roman "Die Haushälterin" (2005, DVA) brachte ihm Preise ein. (dpa)

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