Sexuelle Gewalt

Hilfe im Nordirak

Im Fokus der Kölner Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale stehen Frauen und Mädchen, die Opfer der Terrororganisation des Islamischen Staates geworden sind.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Blick auf die Stadt Dohuk - heute leben hier über vier Millionen Menschen.

Blick auf die Stadt Dohuk - heute leben hier über vier Millionen Menschen.

© Manneschmidt/medica mondiale

KÖLN. Die Kölner Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale wird im Nordirak Opfer sexualisierter geschlechtsspezifischer Gewalt unterstützen.

Dabei konzentriert sie sich in der kurdischen Region Dohuk auf drei Maßnahmen: die Qualifizierung von Gesundheitspersonal in Zusammenarbeit mit dem regionalen Gesundheitsministerium, die Erstellung eines Trainingsmanuals sowie die Beratung und Unterstützung einer lokalen Frauenrechtsorganisation beim Aufbau eines Frauenzentrums.

Medica Mondiale stützt sich auf die Expertise der deutsch-kanadischen Psychologin, Psychotherapeutin und Ethnologin Dr. Sybille Manneschmidt.

Sie hat sondiert, wie sich die Hilfe in Dohuk am sinnvollsten gestalten lässt. Manneschmidt war für Medica Mondiale bereits als Beraterin im Kosovo, in Afghanistan und in Liberia tätig.

Im Fokus: Opfer des IS

Im Nordirak sind die Voraussetzungen für das Engagement von Medica Mondiale vergleichsweise günstig. "Der Einsatz wird gewünscht", sagt Manneschmidt der "Ärzte Zeitung".

An der Spitze des regionalen Gesundheitsministeriums in der Provinz Dohuk steht ein Jugendpsychiater, der in Schweden ausgebildet wurde.

Er weiß, wie wichtig die gezielte psychologische und psychosoziale Beratung von Opfern sexualisierter geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind. "Man braucht nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten", berichtet sie.

Im Fokus stehen Frauen und Mädchen, die Opfer der Terrororganisation des sogenannten Islamischen Staates geworden sind. Sie wurden vergewaltigt, verkauft oder zwangsverheiratet.

Das Ministerium hat bereits eine Anlaufstelle für die Frauen eingerichtet. "Sie werden dort medizinisch untersucht, bekommen psychologische Beratung und werden weiterverwiesen, etwa wenn eine forensische Beweissicherung nötig ist."

Mit Unterstützung von Medica Mondiale sollen die Mitarbeiter in dieser und anderen Gesundheitseinrichtungen gezielt weiterqualifiziert werden.

Dabei wird es Angebote für verschiedene Zielgruppen geben: eine spezielle Weiterbildung zum Umgang mit Opfern sexualisierter geschlechtsspezifischer Gewalt für medizinische und psychologische Fachkräfte, Training in medizinischer und psychologischer Beratung für Ersthelfer und Ersthelferinnen sowie Training für Multiplikatoren.

Wissen an junge Ärzte weitergeben

Manneschmidt hat für eine französische Nichtregierungsorganisation bereits zehn junge Allgemeinmediziner im Umgang mit Patienten geschult, die psychische Probleme haben.

Fünf von ihnen sind inzwischen selbst als Trainer aktiv, um ihr Wissen an Kollegen und Pflegekräfte weiterzugeben.

Für Medica Mondiale hat die Psychologin bei zehn weiteren Ärzten eine erste Weiterbildung für den medizinischen, psychologischen und traumasensitiven Umgang mit den weiblichen Gewaltopfern durchgeführt. Zwei weitere Trainingseinheiten sollen folgen.

In der Region Dohuk, die früher 1,5 Millionen Einwohner hatte, leben jetzt über vier Millionen Menschen. Mindestens 2,8 Millionen Flüchtlinge - vor allem aus dem Irak, aber auch aus Syrien - müssen versorgt werden.

Angesichts der Kämpfe um Mosul können es schnell noch mehr werden. "Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, man braucht noch viele Ärzte und Psychologen", betont Sybille Manneschmidt.

Viele Kinder nicht geimpft

Das Gesundheitsministerium hat Notfallpläne erarbeitet für die Versorgung mit Blutkonserven, Medikamenten, Wasser und Sanitäranlagen.

Viele Kinder aus entlegenen Regionen sind nicht geimpft, auch darauf muss sich das Ministerium einstellen, ebenso wie auf einen möglichen Ausbruch der Cholera.

Dem Gesundheitssystem droht die Überlastung, die Mitarbeiter müssen fast rund um die Uhr arbeiten, berichtet die Expertin. "Dennoch haben sie die Frauen im Blick."

Sie wissen, dass die Opfer sexualisierter Gewalt Hilfe benötigen, haben aber nicht genügend Kapazität. "Deshalb ist es so wichtig, dass mit Medica Mondiale eine Organisation mit besonderer Kompetenz kommt."

Medica Mondiale wird nur in Aktionen aktiv, in denen die Frauenrechtlerinnen mit einer Partnerorganisation vor Ort kooperieren können. In Dohuk ist das die Nichtregierungsorganisation "Women for a Better Life", die ein Frauengesundheitszentrum aufbauen will.

Weitere Informationen über die Frauenrechtsorganisation gibt es auf www.medicamondiale.org.

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