Sachsen-Anhalt

Hochwasser schweißt Ärzte zusammen

Die Hochwasserlage in Sachsen-Anhalt spitzt sich weiter zu. 50 Arztpraxen mussten schließen, doch die Versorgung klappt: Die Ärzte helfen sich gegenseitig. Den Kliniken droht jedoch ein gravierendes Problem.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:
Sandsäcke gegen die Flut: Bundeswehrsoldaten sind wie hier bei Magdeburg unermüdlich im Einsatz.

Sandsäcke gegen die Flut: Bundeswehrsoldaten sind wie hier bei Magdeburg unermüdlich im Einsatz.

© imago/epd

MAGDEBURG. Nachdem die Elbe am Sonntag mit 7,46 Meter ihren bislang höchsten Stand in Magdeburg erreicht hat, zieht sie sich nun schneller als erwartet zurück. Doch Entwarnung gibt es nicht. Montagnachmittag wurde im Stadtteil Cracau die Zwangsevakuierung angeordnet. Die Stadt bleibt im Ausnahmezustand.

"Wir sind auch in den kommenden Tagen auf mehr Patienten eingestellt", so Dr. Jan Hülsemann, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Magdeburg. Dort, ebenso wie im Olvenstedter Klinikum, waren bereits am Wochenende Patienten aus den evakuierten Pfeifferschen Stiftungen und aus Pflegeheimen der Stadt aufgenommen worden.

Hülsemann: "Aus den Heimen sind 13 Patienten zu uns gekommen, die beatmet werden müssen, die meisten anderen haben nicht unbedingt medizinische Indikationen, sind aber hilfsbedürftig. In dieser Notsituation versorgen wir natürlich auch sie."

Der Ärztliche Direktor rechnet damit, dass insbesondere in Notunterkünften untergebrachte Menschen verstärkt medizinische Hilfe benötigen werden.

Obwohl etliche Mitarbeiter des Uniklinikums selbst vom Hochwasser betroffen sind, hat die Klinikleitung zusätzliches Pflegepersonal gewinnen und die Rufbereitschaft verstärken können.

Probleme zeichneten sich bei der Bereitstellung von Blutkonserven ab. "Wir suchen dringend Hilfe", ruft der Ärztliche Direktor zu Blutspenden auf.

Die meisten Blutspendetermine müssen in den Hochwassergebieten ausfallen, und das Blutspendeaufkommen ist dort extrem gesunken. Jetzt werden Bürger in Niedersachsen und Bremen gebeten, bei der Sicherung der Blutversorgung zu helfen.

Selber für die Patienten kochen

"In Sachsen-Anhalt mussten bislang 50 Ärzte ihren Praxisbetrieb einstellen oder können nur noch eine Notversorgung gewährleisten. So der Stand Montagmittag", sagt Mathias Tronnier, geschäftsführender Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA).

Ob sich jedoch jeder betroffene Vertragsarzt gemeldet hätte, sei in Anbetracht der für viele auch persönlich katastrophalen Situation fraglich. Dennoch seien Versorgungsprobleme nicht bekannt. "Wir wissen von unseren Kreisstellensprechern, dass sich die Vertragsärzte vor Ort unbürokratisch und kollegial helfen."

Patienten von Kollegen werden mitbehandelt, notwendige Hausbesuche übernommen. Zudem werde die medizinische Versorgung evakuierter Patienten in Notunterkünften sicher gestellt.

"Trotz ständiger Einsätze sind die Mitarbeiter aller Rettungsdienste hoch motiviert", sagt Reinhard Doberenz, Regionalvorstand der Johanniter-Unfallhilfe für Magdeburg, Altmark, Börde und Harz. Er spricht auch für seine Kollegen von DRK oder Malteser Hilfsdienst.

Die Johanniter seien mit mehr als 20 Krankentransport- und Rettungswagen sowie Behindertenfahrzeugen rund um die Uhr im Einsatz. Mit Feldküchen und Feldkochherden versorgen sie darüber hinaus Einsatzkräfte und Helfer.

Nachdem eine Catering-Firma im überfluteten Stadtteil Magdeburg-Rothensee ihren Betrieb einstellen musste, hat Dennis Neumann, Chef der "Ambulanten Pflege mit Herz" Magdeburg, sofort entschieden: "Dann pflegen wir unsere Patienten nicht nur, dann kochen wir auch für sie."

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