Schule

Jede dritte Sportstunde in Bremen fällt aus

Jede Woche fallen im Stadtstaat 1700 Sportstunden aus. Ein "Runder Tisch Schulsport" will gegensteuern. Denn die Probleme sind gewichtig.

Veröffentlicht: 15.03.2012, 16:00 Uhr
Jede dritte Sportstunde in Bremen fällt aus

Mehr Sport für Bremens Schüler.

© Maria.P. / fotolia.com

BREMEN (cben). Bremens Schüler bewegen sich zu wenig. Einer der Gründe: In jeder Woche fallen mindestens 1700 Sportstunden an Bremens Schulen aus.

"Die Dunkelziffer an Ausfällen dürfte weit höher liegen", sagt Ernst Steinhoff, Sprecher des Runden Tisches Schulsport.

Mit einem Flyer und eine Informationskampagne wollen Bremens Landessportbund, der Zentralelternbeirat, der Runde Tisch Schulsport und die AOK Bremen/Bremerhaven die Eltern animieren, sich für mehr Schulsport einzusetzen.

Nach Angaben des Runden Tisches Schulsport würden in Bremens Schulen nur zwei von drei vorgesehenen Sportstunden in der Woche erteilt.

"Tatsächlich werden nur 2,2 Wochenstunden gegeben und die 0,2 Prozent entfallen auch noch auf freiwillige Sport-AGs", sagt Steinhoff.

"Ihr könnt nach Hause gehen!"

"Wir fordern für alle Schüler drei verbindliche Sportstunden in der Woche." Da Sportstunden oft Randstunden sind und es oft an Fachlehrern mangelt, fielen zudem Sportstunden oft aus.

"Statt Sport heißt es dann: "Ihr könnt nach Hause gehen!", kritisiert Steinhoff. Er schätzt die auf diese Weise ausfallenden Sportstunden über die 1700 Drittstunden auf zusätzlich 1000 in der Woche.

Die Folgen sind erheblich. Nach Angaben von Heinzpeter Mühl vom Vorstand der AOK Bremen/Bremerhaven habe sich bundesweit die Zahl der übergewichtigen Kinder in 15 Jahren auf 1,9 Millionen verdoppelt.

Die Studie der AOK und des Deutschen Sportbundes hat ergeben, dass bei Zehn- bis 14-Jährigen die körperliche Leistungsfähigkeit seit 1995 um 20 Prozent zurück gegangen ist. "Mehr als ein Drittel der Mädchen und ein gutes Fünftel der Jungen treiben höchstens ein Mal pro Woche oder sogar überhaupt keinen Sport", sagt Mühl.

Werder Bremen hat die "Ballschule" ins Leben gerufen

Auch Thomas Schaaf, Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, unterstützt die Aktion.

"Uns geht es nicht in erster Linie um Leistungssport, sondern um Qualitätsunterricht in den Schulen", sagt Schaaf. Werder Bremen hat unter anderem die "Ballschule" ins Leben gerufen, um Bewegung und Koordination der Kinder zu verbessern.

"Vielen Kindern fehlt die Bewegungsvielfalt, Rückwärtslaufen und Drehungen funktioniert oft nicht", sagt Schaaf. Sogar auf den Profi-Bereich schlage das Problem inzwischen durch.

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt

Misere

Es ist bildungs- und gesundheitspolitisch eine Katastrophe, daß in den Schulen deutscher Großstädte -insbesondere Stadtstaaten wie Bremen und Hamburg- so viele Stunden der qualifizierten Körperkultur ausfallen!
Können die Verantwortlichen -politisch Zuständige und fachlich Kompetente- denn nicht einen Freiwilligen-Pool initiieren, z.B. von früheren Leistungs-Sportlern, die noch beweglich/flexibel genug sind, als "Springer" kurzfristig den Ausfall-Unterricht zu übernehmen und sogar "Idol"(Vorbild)-Charakter verkörpern?

Genau so stelle ich mir vor, daß Fachleute aller Berufsgruppen im "Un-Ruhestand" kurzfristig einspringen, um einen Sachkunde-Unterricht nicht ausfallen zu lassen und zugleich spannend und alltagsbezogen zu gestalten. Denn, "nicht für die Schule - sondern für das Leben lernen wir" (in der Schule).
Das sind doch wunderbare und wertvolle ehrenamtliche Tätigkeiten, für die gerechterweise auch eine Aufwands-Entschädigung gezahlt werden sollte.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Jg.´45, noch geeignet für Sport-, Biologie-, Deutsch,- Englisch-, Französisch- Ersatz-Unterricht) Rostock


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