Bremen

Kammer will Hospitationen für Flüchtlinge mit ärztlicher Ausbildung

Die Hansestadt Bremen sucht nach Sonderregelungen für Flüchtlinge, die eine ärztliche Ausbildung haben.

Veröffentlicht:

BREMEN. Die Bremer Ärztekammer möchte für die Ärzte unter den Flüchtlingen der Stadt eine Sonderregelung etablieren. Sie sollen Hospitationen in Klinken und Praxen machen können. Das ist derzeit nicht möglich.

Denn Hospitierende gelten seit Jahresbeginn 2015 als Praktikanten und müssen laut Mindestlohngesetz mit mindestens 8,50 Euro pro Stunde entlohnt werden.

Zugleich dürfen Aylbewerber vor ihrer Anerkennung im Gastland nicht für Geld arbeiten.

Kurz: Was etwa die syrischen Ärzte als Hospitierende an finanziellen Zuwendungen erhalten müssen, muss ihnen zugleich als Asylbewerbern vorenthalten werden. "Eine Zwickmühle", sagt Dr. Heike Delbanco, Hauptgeschäftsführerin der ÄKHB, zur "Ärzte Zeitung".

Deshalb hat sich die Kammer an den zuständigen Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) gewandt. "Wir brauchen vom Senator vor allem Aufklärung", sagt Delbanco.

"Wir wollen nicht, dass wir in ein Problem hineinlaufen, wenn wir die Ärzte unter den Asylbewerbern zu unentgeltlichen Hospitationen einladen."

Erste Kontaktaufnahme zum medizinischen Tagesgeschäft

Die Kammer verspricht sich von solchen Hospitationen für die Neuankömmlinge schon erste Kontaktaufnahme zum medizinischen Tagesgeschäft in Deutschland - wie wird untersucht, diagnostiziert, versorgt? Wie laufen die Patientengespräche? Wie sind die Strukturen?

"So lange die Ärzte etwa aus Syrien auf eine Approbation oder die Berufserlaubnis warten, haben sie Leerlauf", sagt Delbanco.

Diesen Leerlauf wollen inzwischen immer mehr Bremer Ärzte zu füllen helfen. Seit dem Sommer hat sich ein Paten-Modell an der Weser etabliert: Ärzte nehmen zum Beispiel syrische Kollegen unter ihre Fittiche.

Nach Angaben Delbancos haben sich zur Auftaktveranstaltung im Sommer 80 Kollegen gemeldet. "Aber ein Register führen wir nicht", sagt Delbanco.

Wie viele hospitierende Ärzte also mit unklaren rechtlichen Status tatsächlich in der Hospitanz bei einem Bremer Kollegen oder eine Kollegin sind, weiß die Kammer nicht, ebenso wenig, wie viele Ärzte unter den Asylsuchenden Bremens sind.

Dazu ist die Lage zu unklar. "Schon die Anzahl der Unterkünfte ändert sich täglich", sagt Delbanco.

Senator Günthners Sprecher, Holger Bruns, sagt: "Wir wollen eine intelligente Lösung finden." (cben)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt