Unicef schlägt Alarm

Kinder als Selbstmordattentäter

Terror ohne Grenzen: Immer häufiger werden Selbstmordanschläge in Nigeria und seinen Nachbarländern von Kindern verübt.

Veröffentlicht: 13.04.2016, 08:09 Uhr

ABUJA. Die Zahl der 2015 von Kindern und Jugendlichen ausgeführten Selbstmordanschläge in Nigeria und den Nachbarländern hat sich im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht. Das erklärte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Dienstag.

In der kurzen Analyse "Beyond Chibok" beleuchtet Unicef alarmierende Trends in den vier von Boko Haram betroffenen Ländern in den vergangenen beiden Jahren.

Demnach gab es 2015 in Nigeria, Kamerun, dem Tschad und dem Niger 44 von Minderjährigen ausgeführte Attentate. 2014 waren es nur vier Anschläge gewesen.

Drei Viertel der Attentate seien von Mädchen ausgeführt worden, hieß es weiter. Hinter den Gräueltaten wird die islamistische Terrormiliz Boko Haram vermutet.

Jeder fünfte Selbstmordattentäter noch keine 18

Insgesamt war in den letzten beiden Jahren jeder fünfte Selbstmordattentäter unter 18, in Kamerun sogar jeder zweite. Seit letztem Jahr wurden Selbstmordanschläge erstmals auch über die Grenzen von Nigeria hinaus verübt.

"Eines muss klar sein: Diese Kinder sind Opfer, nicht Täter", sagte der Unicef-Direktor für West- und Zentralafrika, Manuel Fontaine. Die Täuschung und tödliche Instrumentalisierung der Kinder sei einer der schlimmsten Auswüchse der Gewalt in Nigeria und den Nachbarländern, sagte Fontaine weiter.

Die sunnitischen Fundamentalisten der Boko Haram kämpfen im Nordosten Nigerias und den angrenzenden Gebieten der Nachbarländer für die Errichtung eines sogenannten Gottesstaats.

Bei Angriffen und Anschlägen der Terrormiliz wurden in den vergangenen Jahren mindestens 14 000 Menschen getötet.

Wegen der Gewalt durch Boko Haram sind inzwischen 2,3 Millionen Menschen in Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad auf der Flucht, über die Hälfte von ihnen - 1,3 Millionen - sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Über 5000 Minderjährige sind während der Flucht von ihren Eltern getrennt worden. (dpa/eb)

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