Lattenkracher, Blitze und Paukenschläge

Nordkorea verblüfft bei der WM - nicht nur mit absurden Begründungen für eine Niederlage.

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Nochmal Glück gehabt: Nordkoreas Torhüterin Hong nach einem Lattenschuss des US-Teams.

Nochmal Glück gehabt: Nordkoreas Torhüterin Hong nach einem Lattenschuss des US-Teams.

© Sven Simon / imago

DRESDEN (dpa). Der fußballerischen Auseinandersetzung folgte der sportpolitische Paukenschlag: Nordkorea will sich nach dem mit 0:2 verlorenen Frauenfußball-WM-Spiel in Dresden gegen die USA auf freundschaftlicher Ebene mit dem Weltranglistenersten messen.

Eine entsprechende Einladung sprach Sportminister Pak Myong Chol bei einem Galaempfang in der sächsischen Landeshauptstadt aus. Und er setzte gleich noch einen drauf: Auch ein Besuch der bislang rigoros abgeschotteten nordkoreanischen Fußballerinnen in den Vereinigten Staaten könnte danach möglich sein.

Eine Einladung, die für Verblüffung sorgte. Hatte doch Nordkoreas Trainer Kwang Min Kim eine völlig absurde Begründung für die Niederlage seiner Elf gegen die USA geliefert. Ein Blitz habe seine Spielerinnen vor der Abreise zur Fußball-WM nach Deutschland getroffen, enthüllte er. "Die Torhüterin und vier Verteidigerinnen waren am meisten betroffen. Und auch einige Mittelfeldspielerinnen".

Alt gegen jung

Das Spiel Nordkorea gegen USA war ein Duell alt gegen jung: Die Asiatinnen haben mit einem Altersschnitt von 20,11 Jahren den jüngsten Kader, die US-Girls mit 27,09 den ältesten.

Lange vor der WM-Partie der verfeindeten Nationen war der politische Aspekt höher eingestuft worden als der sportliche, obwohl beide Teams zum Favoritenkreis auf den Titelgewinn zählen. Doch die Teamverantwortlichen wollten sich daran nicht beteiligen.

"Sport ist Sport. Fußball hat nichts mit Politik zu tun", hatte Nordkoreas Cheftrainer Kim Kwan Min gesagt. Und auch seine für die USA arbeitende schwedische Kollegin Pia Sundhage hatte betont: "Wir konzentrieren uns auf das Spiel, nicht auf die Politik. Nach dem Spiel kann man aber schön über Politik plaudern."

Mit der Einladung eines Frauen-Teams der USA nach Nordkorea sehen die sich für normale Beziehungen einsetzenden demokratischen Kräfte ein Tauwetter einsetzen und die Abschottungstaktik auf sportlichem Gebiet schwinden.

Locker und redselig

Schon am Tag vor dem Spiel hatten sich die Nordkoreaner, die zuvor zwar auf Einladung des DFB eine Woche in Leipzig und Dresden ihre unmittelbare WM-Vorbereitung absolviert, dabei aber alle Begegnungen außerhalb des Fußballplatzes abgelehnt hatten, redselig und locker gegeben.

Das setzte sich trotz der Niederlage auch nach der Partie fort. Von rund 500 Dresdner Fußball-Fans wurde das Team bei der Abfahrt aus dem Rudolf-Harbig-Stadion gefeiert und beklatscht. Die Spielerinnen antworteten mit einem zwar verhaltenen, dennoch aber herzlichen Winken

Für Nordkorea geht es im Spiel am Samstag gegen Schweden bereits ums Ganze. Eine Niederlage würde das Scheitern des Teams und eine frühe Abreise bedeuten.

Zum Special zur Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

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