Soldaten häufiger psychisch krank

NEU-ISENBURG (bee). Mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung kehren immer mehr deutsche Soldaten aus Krisengebieten heim - nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren es 2008 etwa 226 Fälle. Aus dem Tabu-Thema hat die ARD einen Spielfilm gemacht.

Veröffentlicht:

Knapp vier Millionen Zuschauer sahen im Film "Willkommen zu Hause" am Montagabend, wie der Soldat Ben Winter (Ken Duken) versucht, sich nach einem Einsatz in Afghanistan in der Heimat zu Recht zu finden. Ben hat einen Selbstmordanschlag in Kundus überlebt, sein bester Freund Thorsten nicht. Doch das Grauen lässt Ben in der Heimat nicht los.

Die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird dem Soldaten erst am Ende des Films gestellt -  unter PTBS leiden in der Wirklichkeit immer mehr Soldaten. 226 Fälle hat das Verteidigungsministerium im Jahr 2008 gezählt. 2006 kehrten 55 Soldaten mit PTBS zurück, 2007 waren es 130 - die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher. Das Ministerium sprach bislang von einem Prozent, die in der 3000-Mann-Truppe in Afghanistan von PTBS betroffen seien. In Streitkräften anderer Länder beträgt der Wert etwa vier bis fünf Prozent.

Kommende Woche wollen Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen nun einen Antrag zu dem Tabu-Thema einbringen. Darin wird unter anderem ein PTBS-Forschungszentrum gefordert sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen zivilen Einrichtungen und alliierten Sanitätsdiensten bei der Behandlung von zurückgekehrten Soldaten.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird als psychische Langzeitreaktion auf außerordentlich belastende Ereignisse verstanden, etwa Gewalt durch Krieg, Folter, Vergewaltigung. Aber auch Anschläge, Unfälle und Katastrophen können eine PTBS auslösen. Die Betroffenen spüren während des Ereignisses oft eine große Todesangst und zugleich Hilflosigkeit. Typische Symptome sind Flashbacks, vegetative Übererregtheit, Angst, Depressionen, Teilnahmslosigkeit und Suizidgedanken. Die PTBS tritt oft erst Wochen oder Monate nach dem Ereignis auf. (mut)

Lesen Sie dazu auch: Zahl traumatisierter deutscher Soldaten in Afghanistan steigt

Mehr zum Thema

Glosse

Die Duftmarke: Die blaue Zimtschnecke

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Schon im ersten Trimester

Frühere Diagnostik des Gestationsdiabetes gefordert

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft