Gesellschaft

Unterwegs auf dem Indianerlehrpfad

MARBURG (coo). Marterpfähle, Federschmuck und Lagerfeuer gibt es auf dem neuen Indianerlehrpfad des Botanischen Gartens auf den Marburger Lahnbergen nicht. Dafür aber jede Menge indianischer Heilpflanzen.

Veröffentlicht: 12.06.2007, 08:00 Uhr

Mit diesem Thema betritt die Marburger Philipps-Universität Neuland. Denn es handelt sich um den ersten Indianerlehrpfad eines Botanischen Gartens in Deutschland. Konzipiert hat den Weg der Biologiestudent Christian Deurer im Rahmen einer Examensarbeit.

Der 25-Jährige will dabei bewusst keine Klischees von Indianern verbreiten, sondern, wie er sagt, "Unterhaltung auf wissenschaftlichem Niveau" bieten. 90 Minuten dauert der Rundgang, der quer durch das 21 Hektar große Gelände und die Gewächshäuser führt. An acht Stationen wurden Beete mit indianischen Heilpflanzen angelegt, die der angehende Biologielehrer auf Schautafeln erläutert.

In dem Beet zur Zahnpflege wächst zum Beispiel der gemeine Löwenzahn, der für die Indianer einst eine natürlich Zahnbürste war. Mit seinen getrockneten, faserigen Wurzeln putzten sie sich die Zähne. Kam es doch zu Karies, machten sie aus dem zerkauten Wurzelstock von Kalmus kleine Plomben. Aus der Becherpflanze wiederum stellten die Indianer einen bakterientötenden Kaugummi für besonders frischen Atem her.

"Ich bin fasziniert von dem enormen Wissen der Indianer über die Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten", sagt Deurer "Die meisten Wirkungen der Pflanzen sind heute wissenschaftlich bestätigt." So finde sich der schweißtreibende Chili, den Indianer gegen Rheuma und Angina einsetzten, heute in Wärme-Pflastern gegen Hexenschuss.

Indianer erfanden zudem Schwitzhütten, in denen sie Salbei- und Sonnenhut-Extrakte benutzten. Blütenpollen von Rittersporn und Mais galten ihnen als Mittel gegen Heuschnupfen und Allergien, die zudem die Immunabwehr stärken sollten.

Die Ureinwohner Amerikas konnten "fast alles" mit Heilpflanzen behandeln, weiß Deurer. Dabei konzentrierte sich die indianische Medizin nicht nur auf die Behandlung sondern bereits auf die Vorbeugung von Krankheiten. Etwa 3000 Heilpflanzen nutzten die Indianer Nordamerikas. In der Frauenheilkunde waren sie so versiert, dass viel weniger Mütter im Kindbett starben als zur gleichen Zeit in Europa.

Der Botanische Garten auf den Marburger Lahnbergen ist täglich von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet. Infos unter Tel. 0 64 21 - 2 82 15 07, Internet www.uni-marburg.de/botgart

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