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Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Die Krux bei Muskelverletzungen im Profifußball

Muskelverletzungen sind ein ständiger Begleiter im Profifußball. Dennoch stellen sie den medizinischen Stab vor besondere Herausforderungen.

Von Kristina Hütter-Klepp Veröffentlicht:
Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Lennart Karl (vorne, halb in der Hocke) verpasst die WM wegen eines Muskelbündelrisses. Der 18-Jährige hat sich in einem Training der deutschen Nationalmannschaft kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft verletzt.

© picture alliance / GES/Markus Gilliar

Wenn sich ein Spieler während eines Fußballspiels verletzt, nehmen die meisten nur den Moment auf dem Spielfeld wahr: diesen schnellen Sprint und gleich darauf den schmerzverzerrten Blick zum Oberschenkel.

Was die Öffentlichkeit nicht sieht: Hinter jedem verletzten Spieler steht ein Team aus Ärzten, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Athletiktrainern. Nach einer Verletzung bestimmen wir zunächst deren Schwere mittels klinischer Untersuchung, Ultraschall oder MRT. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch erst danach.

Physiotherapeuten begleiten die Heilung, reduzieren Schmerzen und Schwellungen. Athletiktrainer erstellen individuelle Programme, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Bereits nach wenigen Tagen sinken Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination. Die Herausforderung besteht darin, die verletzte Struktur zu schützen und gleichzeitig den restlichen Körper leistungsfähig zu halten.

Zur Person

Kristina Hütter-Klepp

Kristina Hütter-Klepp

© GEPA pictures/ Christian Ort

Dr. Kristina Hütter-Klepp ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Graz. Sie war Teamärztin bei Sturm Graz und ist aktuell in gleicher Funktion beim Zweitliga-Aufsteiger ASK Voitsberg tätig.

Die 51-Jährige arbeitet im Leistungs- und Präventionsbereich und widmet sich einem Thema, das weit über den Spitzensport hinaus Karriere gemacht hat: Longevity, die Kunst des gesunden Alterns. Ihr neues Buch „Der Code zum Jungbleiben“ ist 2025 im Springer Verlag erschienen.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 schreibt Dr. Kristina Hütter-Klepp für die Ärzte Woche und die Ärzte Zeitung eine WM-Kolumne.

Wir Teamärzte koordinieren Diagnostik, Therapie und Belastungsaufbau. Gemeinsam mit dem medizinischen Team entscheiden wir über die Rückkehr ins Mannschaftstraining. Dabei geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern vor allem darum, das Risiko einer erneuten Verletzung zu minimieren.

Besonders bitter war die schwere Verletzung von Lennart Karl im Vorfeld der WM. Der Shootingstar des FC Bayern München hat sich während eines Trainings der deutschen Nationalmannschaft einen Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel zugezogen.

Innerhalb weniger Minuten zerplatzten damit Hoffnungen und lange Vorbereitungen auf ein sportliches Großereignis. Der Fall zeigt, wie unberechenbar Leistungssport trotz moderner Prävention bleibt.

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Verletzung ohne Gegnereinwirkung

Muskelverletzungen zählen weiterhin zu den größten Herausforderungen im Profifußball. UEFA-Daten zeigen, dass eine Mannschaft pro Saison durchschnittlich zehn bis 15 Muskelverletzungen verzeichnet.

Hamstring-Verletzungen machen rund ein Viertel aller gemeldeten Verletzungen aus und verursachen zahlreiche Ausfalltage. Fast 90 Prozent entstehen ohne Gegnereinwirkung – meist bei Sprints oder explosiven Bewegungen. Müdigkeit, hohe Belastung und frühere Verletzungen erhöhen das Risiko zusätzlich.

Die gute Nachricht: Die meisten Muskelverletzungen heilen ohne Operation. Kühlung, Kompression, Physiotherapie und ein schrittweiser Belastungsaufbau führen meist zum Erfolg. Dennoch braucht biologische Heilung Zeit und lässt sich trotz moderner Therapie nicht beliebig beschleunigen.

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Neben Muskelverletzungen spielen kardiovaskuläre Risiken im Spitzenfußball eine Rolle. Der Herzstillstand von Christian Eriksen bei der EM 2021 hat dies gezeigt. Regelmäßige sportkardiologische Untersuchungen mit EKG, Echokardiografie und gegebenenfalls MRT helfen, Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Wie aktuell dieses Thema bleibt, zeigte sich vor Kurzem erneut bei Eriksen: Der implantierte Defibrillator rettete dem Dänen durch einen sofortigen Schock das Leben.

Solche Ereignisse verdeutlichen, wie wichtig Prävention, Notfallkonzepte und eine umfassende medizinische Betreuung im Profisport sind. Deshalb gehört für mich auch ein Defi bei jedem Spiel zur Ausrüstung.

Buchtipp

Corina Madreiter-Sokolowski; Kristina Hütter-Klepp, Der Code zum Jungbleiben, Springer Verlag 2025, 310 S., Softcover 26,50 Euro, ISBN 978-3-662-71276-4

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