Tierisches Wohlbefinden

Wenn sich die Kuh kratzt

Kanadische Forscher haben Milchkühe vor die Wahl gestellt: Wollt ihr Futter oder euch kratzen? Beide Optionen waren für die Tiere verführerisch – und auch das Kratzen ist wichtig für deren Gesundheit.

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Kein rein tierisches Phänomen: Kühe kratzen sich sehr gerne – unter anderem der Fellpflege wegen.

Kein rein tierisches Phänomen: Kühe kratzen sich sehr gerne – unter anderem der Fellpflege wegen.

© mrohana / Getty Images / iStock

VANCOUVER. Kühe kratzen sich gerne an Bäumen auf der Weide oder Reibeflächen im Stall. Eine kanadische Studie zeigt nun, dass Milchkühe große Mühen auf sich nehmen, um an Kratzgelegenheiten zu kommen. Kuhbürsten, die in Ställen aufgestellt werden können, sind demnach ein wichtiges Utensil für Kühe.

Ein Team um Emilie McConnachie von der University of British Columbia in Vancouver wollte herausfinden, wie wichtig die Fellpflege für Milchkühe ist. Die Forscher nutzten einen Motivationstest. Dieser beruht auf der Vermutung: Je mehr sich ein Tier anstrengt, um an eine bestimmte Ressource zu kommen, desto wichtiger ist sie für dieses Tier.

In der Studie mussten die Kühe ein Tor öffnen, um an Futter beziehungsweise eine Bürste zu gelangen. Das Tor konnte mit einem variablen Gewicht beschwert werden. Je größer das Gewicht, desto schwerer war das Tor zu öffnen. Und je schwerer das Tor zu öffnen ist, desto höher muss die Motivation der Kuh sein, so die Hypothese.

Futter oder Bürste?

Im Versuch stellten die Forscher zehn Holsteiner Kühe vor die Wahl. Hinter dem Tor stellten sie frisches Futter oder eine Bürste für die Tiere bereit. Dann erhöhten die Forscher zunehmend die Gewichte am Tor. Die Milchkühe machten sich die gleiche Mühe, an eine Bürste zu gelangen wie an frisches Futter, berichten McConnachie und ihre Kollegen nun in der Zeitschrift "Biology Letters". Das unterstreiche die Bedeutung der Bürste für die Tiere.

Eine Bürste erleichtert den Kühen die Fellpflege. Sie können sich putzen und Parasiten, Fremdkörper und andere Verunreinigungen aus ihrem Fell entfernen. Außerdem verbessert sie offensichtlich das allgemeine Wohlbefinden der Tiere und hilft ihnen, mit Stress umzugehen.

Steigerung der Milchproduktion

Das bestätigt auch Ludwig Börger, Referatsleiter Milch beim Deutschen Bauernverband. "Kuhbürsten haben eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden und damit auch auf die Leistung der Milchkühe. Nicht nur zur Gewährleistung eines hohen Maßes an Tierwohl, sondern auch mit Blick auf die künftige Milchleistung der Tiere ist es bei Neubauten seit einigen Jahren gängige Praxis, Kuhbürsten in die Ställe einzubauen", so Börger.

Eine Kuhbürste besteht üblicherweise aus einer oder zwei rotierenden Bürsten, an denen die Kuh ihr Fell reinigen und sich massieren lassen kann. Tiere, die auf einer Weide stehen, brauchen keine solchen Bürsten, erklärt Börger. Sie nutzen Bäume oder wälzen sich am Boden. (dpa)

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