Wundersames Duftwasser aus Köln

Es ist uralt, duftet dennoch frisch und belebend und wurde einst sogar als Medizin genutzt: Vor 300 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Eau de Cologne.

Von Klaus Brath Veröffentlicht:
Wundersames Duftwasser aus Köln

© Fotos: Duftmuseum

Die Prominentenliste beeindruckt: Goethe, Mozart, Queen Victoria, Napoléon Bonaparte, Princess Diana und Präsident Clinton - sie alle wollten den Duft der "feinen Gesellschaft", wie Goethe bei einer Bestellung 1814 an Eau-de-Cologne-Hersteller Farina schrieb.

Ein Jahr, bevor der Italiener Johann Baptist Farina das Unternehmen am 13. Juli 1709 in Köln gründete, hatte ihm sein Bruder Johann Maria Farina verheißungsvoll geschrieben: "Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und Phantasie."

Johann Maria Farina, der 1714 in die älteste heute noch bestehende Parfümfabrik der Welt eintrat, war Parfümeur. Seine originäre Geheimrezeptur und seine Kunst der Destillation reinen Alkohols ermöglichten ein Novum: Die von ihm kreierte Lösung ätherischer Öle in verdünntem Ethanol roch immer identisch und gleichbleibend qualitätsvoll. Farinas Luxusgut Eau de Cologne machte Köln als Duftstadt weltberühmt. Schon bald schossen daher andere Kölnisch-Wasser-Firmen wie Pilze aus dem Boden. Geschäftemacher und Plagiatoren versuchten, ähnliche Duftwässer herzustellen und kopierten auch den lukrativen Markennamen Farina. Da es noch kein Markenschutzgesetz gab - es trat erst 1875 unter Mitinitiative eines Farina-Nachfahren in Kraft - gab es in der Domstadt zeitweilig über 50 Firmen, die ein Eau de Cologne herstellten und sich fast alle Farina nannten. Die Folge: aus Farinas Eau de Cologne wurde der Name einer ganzen Duftklasse.

Und diese stand lange Zeit nicht nur für einen leichten Duft, sondern auch für Medizin. Das Eau de Cologne setzte die mittelalterliche Tradition der Wunder- oder Heilwasser (Aqua mirabilis) fort. Werbewirksam bemühten sich die Produzenten daher nicht nur um Hoflieferantentitel, sondern auch um ärztliche Atteste. Ihren Fläschchen legten sie sogenannte Wasserzettel bei, in denen Anwendung und Wirkung beschrieben wurden. Das Wasser konnte innerlich wie äußerlich angewendet werden, es versprach gegen eine Vielzahl von Krankheiten Linderung und Heilung und sogar Schutz vor der Pest.

Eau-de-Cologne-Trinken als besondere innere Anwendung

Erst ab 1810 wandelte sich die Vermarktung des Wunderelixiers: Napoleon erließ für sein Staatsgebiet ein kaiserliches Dekret, das die Offenlegung der Rezepturen für Heilmittel verlangte. Die "kölsche Lösung" war pragmatisch: Um ihr Produktgeheimnis zu wahren, entschlossen sich die Kölnisch-Wasser-Fabrikanten, ihr Produkt nicht mehr als Heil- sondern als Duftwasser anzubieten.

Dennoch blieb Eau de Cologe medizinisch relevant. So berichtet der Forschungsreisende Wilhelm Joest in seinen "Welt-Fahrten" (1895) von einer verbreiteten besonderen Form der inneren Anwendung: das "Eau-de-Cologne-Trinken". Der einfache Grund: Weil Kolonialregierungen alkoholische Getränke mit hohen Steuern belegten, wurde das Edelparfüm, mehr oder weniger verdünnt, erschwinglich - und die Wirkung sprach für sich: "In wenigen Minuten bekommt man einen Knallkopf", beschrieb Joest einen Selbstversuch.

Mit solchen Anwendungen hatte der Schöpfer des Original-Duftes wenig im Sinn: "Ich für meinen Teil", schrieb Farina 1752 an einen Kunden in Frankreich, "vermeide gerne das Anpreisen namentlich medizinischer Eigenschaften." Auf Exklusivität setzt auch der heutige Chef des Hauses, ein Parfümeur und Apotheker, der das Kölner Familienunternehmen in der 8. Generation führt. Sein berühmter Name: Johann Maria Farina.

TIPP

Die Kölner Parfümdynastie Farina existiert seit 300 Jahren. Wer mehr über die Geschichte der Eau de Cologne und die Welt der Düfte erfahren will, kann sich an historischer Stätte informieren:

Duftmuseum im Farina-Haus Obermarspforten 21 Köln / Altstadt

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10-18 Uhr, Sonntag 11-16 Uhr Weitere Infos: http://www.farina.eu

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