Safety Camp

Virtuelles Monitoring im häuslichen Umfeld

In der Augsburger Dermatologie wird an einem digitalen Patientenpfad gearbeitet, der nicht nur das Onboarding regeln, sondern den Patienten kontinuierlich begleiten soll.

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„Indem wir Patienten dauerhaft virtuell begleiten, kann ihr Selbstmanagement gefördert werden“, hofft Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg.

„Indem wir Patienten dauerhaft virtuell begleiten, kann ihr Selbstmanagement gefördert werden“, hofft Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg.

© Michaela Schneider

Augsburg. „Lieber Patient, herzlich willkommen bei Ihrem digitalen Gesundheitsbegleiter der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Augsburg. Um Sie effektiv behandeln zu können, ist die Beantwortung symptombezogener Fragen notwendig…“ So könnte in Zukunft schon daheim begrüßt werden, wer einen Arzttermin benötigt.

„Virtuelle Kliniken“ werden gern als die medizinische Realität vom morgen gesehen. In Augsburg ist man hier auf bestem Wege und seit zwei Jahren dabei, einen virtuellen Patientenpfad zu etablieren. „Wir brauchen eine KI basierte, personalisierte Klassifikation noch während der Patient zuhause sitzt und überlegt: Wie dringend ist es? Wo muss ich hin?“, sagt Professorin Dr. Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie. Beim „Safety Camp“ – einer Konferenz für medizinische Sicherheit – stellte sie den Augsburger Weg eines virtuellen Monitorings im häuslichen Umfeld vor.

So soll das Pilotprojekt funktionieren

Der Patient scannt beim Erstkontakt mit dem Handy einen Barcode und gelangt via Chatbot, Sensorik und Bildanalyse auf einen digitalen Patientenpfad. Wer etwa unter Luftnot, Fieber oder anderen heiklen Symptomen leidet, wird direkt einbestellt; andere Patienten erhalten einen Routinetermin und werden in der richtigen Sprechstunde terminiert. Auch gibt es Detailfragebögen etwa zur Abklärung einer Allergie oder eines Hautkrebsverdachtes.

Doch das „Onboarding“ ist nur ein erster Schritt. Der eigentliche Kern des Augsburger Piloten ist es, Arzt-Patienten-Kontakte zusätzlich um einen virtuellen, kontinuierlichen Monitoringpfad zu ergänzen. Die Dermatologin spricht von einem „komplett automatisierten Report über das, was der Patient tatsächlich macht“. Zugriff kann Ärzten in allen Sektoren gewährt werden. Die Institutsleiterin hofft auf mehr Patientensicherheit aus verschiedenen Gründen:

  • Kontinuierliches Monitoring – und dies im sicheren häuslichen Umfeld
  • Frühzeitige Erkennung von Nebenwirkungen oder Verschlechterungen
  • Direkter digitaler Kontakt zwischen Patient und Arzt

Automatisierte Arztbriefe und Befundberichte

Es können automatisierte Arztbriefe oder auch Befundberichte zum zwischenzeitlichen Zustand des Patienten erstellt werden. Etwa bei chronischen Hauterkrankungen oder einer Krebsbehandlung werden im Intervall zwischen den Arztbesuchen Scores abgefragt. Daten aus Wearables und Apps lassen sich einbinden. Verschlechtern sich Symptome, erreicht den Arzt eine automatisierte Information, dass der Patient vorbeikommen sollte. Verknüpfen lässt sich dies gegebenenfalls direkt mit einer digitalen Terminierung.

Auch andere Datenquellen wie zum Beispiel Patienteninformationen und Schulungen lassen sich einbinden. Und Patienten können etwa automatisiert an die Medikamenteneinnahme erinnert werden. „Indem wir Patienten dauerhaft virtuell begleiten, kann ihr Selbstmanagement gefördert werden“, hofft Welzel. Untermauert werden soll dies mit wissenschaftlichen Studien.

Vorteile einer virtuellen Dermatologie:

  • Digitales, zeit- und ortsunabhängiges Patientenmanagement
  • Digitale Steuerung mit Allokation und Priorisierung
  • Aufhebung der Sektorengrenzen
  • Vernetzung aller Gesundheitsdienstleister
  • Optimierung von Ressourcen zur Skalierung
  • Real world Daten für die Versorgungsforschung
  • Automatisierte Beobachtung und Steuerung des Krankheitsverlaufs
  • Adhärenz
  • Kontinuierliche statt Intervallmedizin
  • Prävention und Partizipation
  • Selbstmanagement

Monitoringpfade sollen laut Welzel für verschiedene Erkrankungen installiert werden: für chronische Hauterkrankungen, Wundbehandlung, postoperativ, Krebsbehandlungen, Juckreiz oder Schmerzen. (mic)

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