Ärzteverbände haben alles getan, um die Praxisgebühr zu verhindern. Sie ahnten, dass sie zu erheblichem bürokratischem Mehraufwand in den Praxen führen würde. Aber auch angesichts voller Kassen im Jahr 2012 wird sie wohl nicht abgeschafft werden.

Seit acht Jahren Alltag in den Praxen: Mitarbeiterinnen kassieren von den Patienten zehn Euro Praxisgebühr. copy; Mathias Ernert

Januar 2004. Sie ist und bleibt bis heute vor allem für viele Ärzte und Praxismitarbeiterinnen ein Ärgernis: die Praxisgebühr.

Doch dass sie wieder abgeschafft werden könnte, wie es angesichts voller Kassen in der Gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen Wochen immer wieder gefordert wird, ist unwahrscheinlich.

Zwar hat sie ihren eigentlichen Zweck, eine Steuerungswirkung bei der Zahl der Arztbesuche, auf Dauer nicht erfüllt, aber auf die zusätzlichen Einnahmen von etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr, möchten die Kassen ungern verzichten.

Nach Abschluss des ersten Quartals 2004 sah die Sache allerdings noch ganz anders aus. Denn eine Umfrage der "Ärzte Zeitung" unter 12 der damals noch 23 Kassenärztlichen Vereinigungen zeigte vor allem bei den Fachärzten einen erheblichen Fallzahlrückgang.

Praxisgebühr hielt 2004 etliche Patienten von Arztbesuch ab

So kamen nach Einführung der Praxisgebühr zum Jahresbeginn 2004 bundesweit im Schnitt zehn Prozent weniger Patienten in die Praxen als im Vorjahresquartal.

Im Saarland gingen 16 Prozent weniger Patienten zum Orthopäden, bei den Hautärzten waren es sogar mehr als 21 Prozent.

Überraschenderweise gingen auch die Fallzahlen bei den Pädiatern zurück - je nach Region zwischen sechs und zehn Prozent - obwohl für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr keine Praxisgebühr erhoben wird.

Eine von der KBV erhobene Stichprobe vom April 2005 bestätigte diesen Trend über das gesamte Jahr 2004.

Allerdings erreichten die Fallzahlen im Jahr 2007 schon wieder das Niveau von 2003. Eine nachhaltige Steuerungswirkung hat sich nicht eingestellt.

Ganz im Gegenteil. Mit durchschnittlich 18 Arztkontakten pro Jahr gelten die Deutschen als Spitzenreiter im internationalen Vergleich.

Unmut wegen Aufwands in Praxen und Kliniken

In den Praxen, aber auch in Kliniken und Pflegeheimen, hatte die Einführung der Zehn-Euro-Gebühr für Unmut gesorgt.

Nicht nur, dass die Mitarbeiterinnen deutlich mehr Aufwand hatten, weil sie die Gebühr kassieren, deren Empfang quittieren und die Einnahmen abends zur Bank bringen mussten, sondern auch, weil viele Patienten dachten, ihr Arzt erhalte auf diese Weise zusätzliche Einnahmen.

Außerdem ist der Aufwand bis heute erheblich, den die Praxen leisten müssen, wenn Patienten die Praxisgebühr auch nach einer Mahnung nicht bezahlen.

Zwar wird die Praxisgebühr vermutlich nicht abgeschafft werden, vom Tisch dürften aber zurzeit immer wiederkehrende Vorschläge sein, eine Gebühr - wenn auch nicht in Höhe von zehn Euro - für jeden Arztbesuch einzuführen. (chb)

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