Gesellschaft

Zeit für Gespräche über das Leben mit Diabetes

Junge Menschen mit Diabetes sind oft über den Alltag mit ihrer Krankheit verunsichert. Beim "Camp D" in Bad Segeberg können sie sich austauschen.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Gemeinsam über das Leben mit Diabetes reden: In den Gesprächskreisen im Camp D können sich junge Diabetiker austauschen.

Gemeinsam über das Leben mit Diabetes reden: In den Gesprächskreisen im Camp D können sich junge Diabetiker austauschen.

© Novo Nordisk (3)

FRANKFURT/MAIN. "Quatsch mich an!", steht auf dem knallroten T-Shirt von Dr. Björn Paschen. Im Camp D ist der Hamburger Diabetologe einer von rund 200 Betreuern, die sich um 700 junge Menschen mit Typ-1-Diabetes kümmern. Vier Tage lang haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren in Bad Segeberg die Möglichkeit, drängende Fragen zu stellen und über belastende Probleme zu sprechen, ohne sich grundsätzlich erklären zu müssen.

Zum Camp D lädt der Mainzer Arzneimittel-Hersteller Novo Nordisk bereits zum dritten Mal nach Bad Segeberg ein. Lautete das Motto bei der Auftaktveranstaltung im Sommer 2006 "Lebe dein Leben" und zwei Jahre später "my Camp D", so heißt es in diesem Jahr "Gemeinsam Diabetes verändern".

Genau darum geht es. Wer seine Krankheit kennt, bekommt sie in den Griff und kann einen weitgehend normalen Alltag leben. Doch viele Jugendliche vernachlässigen ihre Therapie, schwänzen Schulungen und werden darüber am Ende unsicher, was sie dürfen und was nicht.

Diabetologe Dr. Björn Paschen ist Betreuer im Camp für junge Patienten.

Dr. Björn Paschen ist einer von 90 medizinischen Betreuern im Camp, zu denen außer Ärzten auch Diabetesberaterinnen und Psychologen gehören. Der 44-Jährige ist bereits zum dritten Mal dabei.

"Eine Frage, die immer kommt, lautet: Muss ich beim Beantragen eines Führerscheins sagen, dass ich Diabetiker bin?", berichtet der Internist und Diabetologe, der in Hamburg-Harburg eine diabetologische Schwerpunktpraxis betreibt. "Muss ich mich beim Vorstellungsgespräch outen? Oder: Ist es sinnvoll, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen? Manche wollen auch wissen, ob sie mit Diabetes auch Busfahrer werden können."

Auf jede Frage gibt es eine Antwort, Antworten, die mitunter viel Zeit erfordern. Das ist das Besondere am Camp D. "Wir haben Zeit für Gespräche, die weit über den Blutzuckerwert hinausgehen", erläutert Paschen, "das ist auch für mich als Arzt wichtig. Zu erfahren, was die Probleme der Patienten sind, aber auch, womit sie gut klarkommen."

In Workshops können sich die jungen Erwachsenen über Themen wie Alkohol, Beruf, Reisen, Sexualität und Schwangerschaft informieren und austauschen. Björn Paschen wird einen Vortrag zu den sozialen Aspekten bei Diabetes halten. Ein Sport- und Freizeitprogramm rundet das Angebot ab.

In diesem Jahr kooperiert Novo Nordisk beim Camp D mit dem Arzneimittel-Hersteller Bayer Vital. Unterstützung erhalten die Initiatoren zudem von der Diabetes-Dachorganisation "diabetesDE". Begleitet wird das Erlebniscamp von einer wissenschaftlichen Studie im Rahmen des DAWN Youth Program (Diabetes Attitudes Wishes and Needs). Unter der Federführung von Professor Karin Lange untersucht die Medizinische Hochschule Hannover die psychosozialen Faktoren bei Diabetes im Jugendalter.

Auch in seiner diabetologischen Schwerpunktpraxis sieht Paschen viele junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes. Er weiß, dass es neben den verantwortungsvollen Patienten auch solche gibt, die die Ernsthaftigkeit ihrer Erkrankung nicht erfassen oder zumindest zeitweise die Kontrolle vernachlässigen.

"Bei der ersten großen Liebe setzen manche natürlich andere Prioritäten." Aber im Camp D gibt es keine Tabuthemen. "Hier muss sich niemand erklären, hier erleben die Patienten Solidarität." Paschen selbst freut sich sehr auf den Austausch im Camp. "Das erweitert auch meinen Horizont."

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