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Psychisch Kranke

25 Stunden Psychotherapie reichen meistens

Die meisten psychisch kranken Menschen müssten in Deutschland nicht so lange behandelt werden, wie es derzeit der Fall ist, meinen Experten auf dem DGPPN-Kongress.

Veröffentlicht:

BERLIN. Was sind die größten Probleme in der ambulanten Psychiatrie in Deutschland? Diese Frage beschäftigte die Experten auf dem DGPPN-Kongress.

Nach Meinung der künftigen DGPPN-Präsidentin krankt es an mindestens zwei Stellen. "Die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz betragen oft vier bis sechs Monate und sind damit viel zu lang. Und bei den Indikationen ist die Psychotherapie in Deutschland viel zu unflexibel", sagte Dr. Iris Hauth vom Zentrum für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee.

Insbesondere Patienten mit Schizophrenie und Suchterkrankungen, aber auch Patienten mit Borderline-Störungen, Anorexie und somatoformen Störungen fänden häufig überhaupt keinen Therapieplatz, betonte auch DGPPN-Vorstandsmitglied Professor Sabine Herpertz von der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg.

Umgekehrt hätten Patienten mit Depressionen oder mit Angststörungen viel weniger Schwierigkeiten eine Psychotherapie zu finden, unabhängig von der Erkrankungsschwere.

Akutsprechstunde soll steuern helfen

Auch hinsichtlich der "Dosis" der Psychotherapie sieht die Expertin Verbesserungsbedarf: "Wir wissen aus Metaanalysen, dass der großen Mehrzahl der Patienten mit 20 bis 25 Stunden geholfen werden kann." Im Alltag wird heute oft sehr viel länger behandelt.

Herpertz fordert deswegen, dass die Kurzzeitpsychotherapie mehr gefördert wird: "Gleichzeitig müssen wir aber gewährleisten, dass die Patienten, die deutliche längere Therapien brauchen, sie auch bekommen." Sie denkt hier unter anderem an Borderline-Patienten und an Patienten mit Anorexie.

Ansatzpunkte, wie die Versorgung verbessert werden kann, gibt es einige. Die Diskussionen darum sind kontrovers, und sie finden auch vor dem Hintergrund statt, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) den Auftrag bekommen hat, die Psychotherapierichtlinie zu ändern.

Ein probates Mittel könnten Akutsprechstunden sein, die der Stratifizierung der Patienten dienen. Weniger schwer kranke Patienten könnten dort "abgefangen" und beispielsweise an Einrichtungen zur Kurzzeitintervention weiterverwiesen werden.

Denkbar sei außerdem ein Ausbau der Integrierten Versorgung (IV) unter Einbeziehung der Krankenhäuser, sagte Wiebke Schubert vom Landesverband Nordrhein-Westfalen der Angehörigen psychisch Kranker. Zudem sollten die psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) ausgebaut werden, unter anderem um abends, nachts und am Wochenende besseren Zugriff auf psychiatrische Hilfe zu haben. (gvg)

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