Berufspolitik

Ärzte protestieren gegen Regresse in Niedersachsen

HANNOVER/ BRAUNSCHWEIG (cben). Erstmals wird die KV Niedersachsen Regress-Summen einbehalten, und zwar 4,3 Millionen Euro für das Jahr 2001. In den vergangenen Tagen hat die KV Vollstreckungsankündigungen an die betroffenen Kollegen verschickt. Prompt protestierte der Gesundheitsverbund Braunschweig in einem Brief an die Mitglieder.

Veröffentlicht: 28.04.2008, 05:00 Uhr

"Die KV hat damit endgültig und unwiderruflich die Position einer Interessenvertretung für Niedergelassene verlassen", schreibt der Hausarzt Uwe Lorenz aus Braunschweig, Chef des Gesundheitsverbundes. Die Konsequenzen seien "irrwitzig". Ruinierte Praxen würden nichts an der Morbidität ändern. "Früher hieß es, vielleicht müsse man bezahlen, heute ist klar, wir müssen bezahlen", sagte Lorenz zur "Ärzte Zeitung", "wenn das jeder Kollege begriffen hat, dann werden die alten und teuren Patienten von einer Praxis zur anderen weiter gereicht."

Kollegen, die 40 000 Euro an Honoraren nicht erhalten, hätten für drei bis vier Quartale keine Einnahmen. Lorenz: "Das hält keiner durch. Wie ist das bei unseren wenigen Hausärzten eigentlich zu verantworten?" KV und Ärztekammer sollten Ärzte und Patienten vor diesem Dilemma schützen, hieß es.

Die KVN bestätigte die Vollstreckungsankündigungen. "Die Regresse für das Jahr 2001, die der Prüfungsausschuss ausgesprochen hat, sind rechtswirksam geworden. Im Durchschnitt handelt es sich um 40 000 Euro pro Praxis", erklärte Detlef Haffke, Sprecher der KVN, "laut SGB V müssen wir jetzt diese Beträge einbehalten." Die Regresse liegen zwischen 41 Euro und 464 000 Euro. Ursprünglich waren für 2001 genau 263 Regresse in einer Gesamthöhe von 12,8 Millionen Euro ausgesprochen. 243 Kolleginnen und Kollegen widersprachen, 84 mussten zahlen. "Das sind weniger als ein Prozent der niedersächsischen Ärzte", so Haffke.

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