Berufspolitik

Ärzte stellen Schwarz-Rot schlechte Noten aus

Zwei von fünf Ärzten haben schon einmal ernsthaft überlegt, ihre Kassenzulassung zurückzugeben. 50 Prozent würden ihren Beruf nicht weiterempfehlen.

Von Bülent Erdogan Veröffentlicht: 03.12.2008, 05:00 Uhr

Das geht aus dem vergangene Woche vorgestellten Gesundheitsreport 2008 des Finanzdienstleisters MLP hervor, für den das Allensbach-Institut außer 1773 Bürgern erstmals auch 517 niedergelassene und Klinik-Ärzte befragte. Deutlich wird: Deutschlands Mediziner sind in vielen Punkten unzufrieden mit ihrer beruflichen und privaten Situation.

Jeder zweite Arzt würde von eigenem Beruf abraten

So hält etwa eine knappe Mehrheit von 48 Prozent der befragten Mediziner ihren Beruf aktuell für weniger attraktiv als früher. Für 47 Prozent hat sich hingegen nichts verändert. 53 Prozent der Mediziner gehen der Umfrage zufolge davon aus, dass ihr Beruf weiter an Attraktivität einbüßen wird, nur zehn Prozent erwarten eine gegenteilige Entwicklung.

Alarmierend: Nach eigenen Angaben würde zudem jeder zweite Arzt einem jungen Mediziner davon abraten, sich als Arzt niederzulassen. Eine Empfehlung zur Niederlassung würde hingegen nur jeder dritte Arzt aussprechen. 43 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass ihr Beruf an Ansehen verloren hat. Allerdings meint eine Mehrheit von 47 Prozent, das Ansehen sei gleich geblieben, fünf Prozent glauben an eine gestiegene Wertschätzung.

Die Gründe für die negativen Aussagen sind vielfältig: So erwarten nur 15 Prozent der Ärzte, dass es der Politik gelingen wird, langfristig eine gute Gesundheitsversorgung für alle sicherzustellen. Von der Gesundheitspolitik der großen Koalition haben nur acht Prozent der Ärzte einen guten Eindruck. Die negativen Einschätzungen ziehen sich auch durch Fragen zum Gesundheitsfonds oder der aktuellen und erwarteten finanziellen Wertschätzung der eigenen Arbeit. Immerhin erhält Schwarz-Rot für die Reform des Vertragsarztrechts positive Noten von den Ärzten, auch wenn hier noch viel Unklarheit herrscht.

Nur 18 Prozent stellen ihrer KV ein gutes Zeugnis aus

Außer der Politik kommen in der Umfrage auch die Kassenärztlichen Vereinigungen schlecht weg: Nur eine Minderheit von 18 Prozent stellt ihnen ein gutes oder sehr gutes Zeugnis aus, 66 Prozent werten deren Arbeit als weniger oder gar nicht gut. Das eher graue Gesamtbild wird schließlich durch die Aussagen der Ärzte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestützt: So gaben nur acht Prozent aller Ärzte an, beides sehr gut miteinander vereinbaren zu können, jeder Dritte hat keine Probleme. Allerdings überwiegen auch hier die negativen Einschätzungen.

Die komplette Umfrage im Internet: http://www.mlp-gesundheitsreport.de

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