Honorarverhandlungen
Ärzte und Krankenkassen einigen sich auf das Honorar 2027
Der Punktwert für 2027 steht. Ein Jubelergebnis will der KBV-Vorstand aber nicht in dem Verhandlungsergebnis sehen. Die Kassenseite spricht von einem „fairen Honoraranstieg“. Verbände der Haus- und Fachärzte reagieren vergrätzt.
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Mehr Honorar für Ärztinnen und Ärzte, aber wohl dosiert: Im vergangenen Jahr war der Punktwert für 2026 um 2,8 Prozent auf 12,7404 Cent geklettert. Für 2027 gibt es ein Plus von 2,2 Prozent.
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Berlin. Vertragsärzte und Krankenkassen haben sich für das kommende Jahr auf einen Orientierungswert von 13,0207 Cent geeinigt. Das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent. Das Ergebnis wurde am Mittwochnachmittag bekannt gegeben.
Bereits im Vorfeld war klar, dass der Wert die Marke von 3,42 Prozent nicht würde knacken können. Auf diesen Wert ist die Grundlohnrate für 2027 angesetzt. Damit wurden die Verhandlungsspielräume enger.
Die Sparvorschläge der noch von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzten Finanzkommission Gesundheit haben das Ergebnis zusätzlich belastet. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Obergrenze des möglichen Vergütungsanstiegs auf diesen Wert gedeckelt. Diese Regelung soll auch für die Jahre 2028 und 2029 gelten.
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Im vergangenen Jahr war der Punktwert für 2026 um 2,8 Prozent auf 12,7404 Cent geklettert (siehe nachfolgende Grafik). Die Grundlohnrate hatte bei 5,17 Prozent gelegen.
„An die äußerste Grenze des Machbaren gegangen“
„Wir sind hier an die äußerste Grenze des Machbaren gegangen“ kommentierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Donnerstagnachmittag das Ergebnis. Das sei wahrlich kein Jubelergebnis, aber die Tatsache, dass man sich geeinigt habe, zeige, dass die gemeinsame Selbstverwaltung die letzte rationale Konstante darstelle. „Die Alternative wäre ein Schiedsspruch mit einem nicht vorhersehbaren Ergebnis gewesen“, sagte Gassen.
„Unser diesjähriger Verhandlungsabschluss für das Jahr 2027 sorgt trotz schwieriger Rahmenbedingungen für einen fairen Honoraranstieg für die Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung“, ordnete die stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands Stefanie Stoff-Ahnis das Ergebnis auf Kassenseite ein. Immerhin bringe das Ergebnis für die Vertragsärzte ein Plus von 1,1 Milliarden Euro im Vergleich zu 2026.
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Vergrätzt reagierte das Führungs-Duo des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands auf das Ergebnis der Honorarverhandlungen. Die Politik scheine bei ihren Bemühungen zur Stabilisierung der Beitragssätze neue Sparkommissare gefunden zu haben, nämlich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den GKV-Spitzenverband, ätzten Professor Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier am Donnerstag.
Das Ergebnis von 2,2 Prozent liege sogar deutlich unter dem Deckel, den der Gesetzgeber mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz eingezogen habe. Der liege auf Höhe der Grundlohnrate und somit für das laufende Jahr bei 3,42 Prozent.
„Für die Praxen der Hausärztinnen und Hausärzte ist das ein enttäuschendes, wenn auch erwartbares Ergebnis“, resümierte die HAEV-Spitze. Es sei „Symptom eines Trends, der das Überleben der Praxen mehr und mehr zur Herausforderung macht, zumindest außerhalb unserer Hausarztzentrierten Versorgung“. Dem GKV-Spitzenverband gaben sie mit, er solle endlich die Notbremse ziehen, die ambulante Versorgung sei kein Sparschwein.
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Scharfe Kritik äußerte auch der Virchowbund: Beim Blick auf die Ausgaben für Personal, Geräte, Energie oder Miete wüssten die Praxisinhaber nun, dass das magere Ergebnis ein „Verhungern auf Raten“, bedeute, warnte Virchow-Bund-Chef Dr. Dirk Heinrich.
Der OW steige für 2027 um 2,2 Prozent, die Inflationsrate für 2026 werde aber voraussichtlich bei 2,8 Prozent liegen. Es sei absurd, dass die Politik die niedergelassenen Ärzte dränge, mehr Fälle zu versorgen, den Praxen jedoch mit einem GKV-Spargesetz die finanzielle Grundlage entreiße, so Heinrich. (af)




