Berufspolitik

Ärzte warnen vor neuem Kohlekraftwerk

HANAU (ine). Umweltschützer und Ärzte protestieren gegen den Ausbau des Eon-Kohlekraftwerkes Staudinger in Großkrotzenburg östlich von Hanau. Bis 2012 will der Eon-Konzern einen neuen Block mit einer Leistung von 1100 Megawatt bauen. Derzeit läuft ein Raumordnungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt.

Veröffentlicht:

Knapp 40 Ärzte aus der Region Hanau, Offenbach und Aschaffenburg haben sich gegen den Ausbau ausgesprochen. Darunter ist auch Dr. Axel Althen aus Hainburg. Der Hausarzt sieht in seiner Praxis eine deutliche Zunahme von Atemwegserkrankungen. "Das ist mein ganz persönlicher, subjektiver Eindruck", sagt Althen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Er behandelt in seiner Praxis viele Kinder mit Pseudo-Krupp und Asthma. Und auch viele seiner älteren Patienten litten unter chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen.

Für den Arzt und viele seiner Kollegen steht fest: "Der erheblich erhöhte Ausstoß von Schwefeloxiden, Feinstaub und Schwermetallen durch den geplanten Block 6 bedeutet ein zusätzliches Gesundheitsrisiko." Die Ärzte pflegen deshalb auch die Kontakte zur Bürgerinitiative "Stopp Staudinger!". Große Chancen, den neuen Block verhindern zu können, sieht der Arzt allerdings kaum. "Nach dem Sieg der CDU bei den Landtagswahlen fühle ich eine gewisse Ohnmacht", sagt Althen. "Die politischen Zeichen stehen auf Freifahrt für den Eon-Konzern."

Auch die Stadt Hanau ist gegen den Ausbau des Kohlekraftwerkes. Die Bewohner seien schon durch das bestehende Kraftwerk seit Jahren erheblichen Immissionsbelastungen ausgesetzt, teilt die Stadt mit. Mit dem Bau des Block 6 werde sich die Situation noch verschlechtern. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) ist froh darüber, dass ein Raumordnungsverfahren eingeleitet worden ist. Dabei könne nun geprüft werden, ob es Alternativen zum Neubau gibt und welche Auswirkungen die Pläne auf Mensch und Umwelt haben. Noch bis 2. Februar liegen die Akten in den betroffenen Kommunen zur Einsicht aus.

Mehr zum Thema

TSVG-Umsetzung

Ärztliche Aufgaben wuppen? Blankorezept auf steinigem Weg

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Corona-Impfung in einer kommunal organisierten Impfstelle im thüringischen Jena. Die Ärztekammer in Thüringen dringt auf eine generelle Impfpflicht, auch die BÄK hält dies angesichts der aktuellen Lage für geboten.

© Martin Schutt / dpa

BÄK-Brief an Merkel und Scholz

Ärzte drängen auf allgemeine Corona-Impfpflicht

Auch in Deutschland sollen bald Corona-Impfungen der 5- bis 11-Jährigen möglich sein.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Impfungen bei Unter-12-Jährigen

BVKJ-Chef Fischbach: „Kinder sollen jetzt den Blutzoll zahlen“

Mittlerweile bekannt: Die rote Schleife steht für Solidarität mit HIV-Patienten und soll Aufmerksamkeit für die Infektion schaffen.

© Betelgejze / stock.adobe.com

HIV/Aids

„Trauen wir uns ruhig, über Sex zu reden!“