Berufspolitik

Ärztetag: Mit der Politik im Reinen

Es war ein Arbeits-Ärztetag, der vor allem innerärztlich wichtige Botschaften vermittelte: Die politische Großwetterlage ist derzeit freundlich, und es ist ärztliche Aufgabe, die Versorgung aktiv mitzugestalten.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 28.05.2012, 14:20 Uhr
Ärztetag: Mit der Politik im Reinen

Abstimmungsmarathon: Über 130 Anträge hatte der Ärztetag allein am letzten Sitzungstag zu entscheiden. .

© Wawarta

NÜRNBERG. Nicht mit Pauken und Trompeten, dafür mit Geige und Cello: Sanfte Töne haben nicht nur die Streicher in der Nürnberger Staatsoper angeschlagen.

Ungewohnt herzlich begrüßte die Ärzteschaft Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in ihren Rängen. "Gar nicht so schlecht" sei die schwarz-gelbe Gesundheitspolitik, sagte Dr. Frank Ulrich Montgomery bei der Eröffnung des 115. Deutschen Ärztetages.

Einig waren sich Bahr und die Ärzte in punkto Krankenversicherung: Das duale System soll bestehen bleiben. Rückenwind erhielt damit auch Jens Spahn von der CDU.

Drei Stunden lieferte er sich mit den Ärzten und Professor Karl Lauterbach (SPD) ein Wortgefecht über die Finanzierung der Krankenversicherung. Am Ende stand für die Mediziner fest: Die Bundesärztekammer soll auf dem Ärztetag 2013 ein eigenes Konzept vorlegen.

Dunkles Kapitel erst spät aufgearbeitet

Einen breiten Raum nahm die Debatte über kooperative und innovative Versorgungsformen ein - Anzeichen dafür, dass Ärzte aktiv die Modernisierung der Medizin betreiben.

Ein ethisches Signal setzte der Ärztetag mit der "Nürnberger Erklärung". Darin erkannten die Delegierten die Verantwortung der Ärzte und ihrer führenden Repräsentanten an der Vertreibung ihrer jüdischen Kollegen im Nationalsozialismus.

Im Foyer der Meistersingerhalle zeigte eine Ausstellung über vier Tage das Schicksal jüdische Ärzte in Bayern, die aus ihrer Kassenpraxis vertrieben wurden, ihren Beruf verloren und teilweise ins Ausland flohen.

Viele wurden in den Selbstmord getrieben oder im KZ ermordet. Montgomery erinnerte daran, dass dieses dunkle Kapitel der deutschen Ärzteschaft gegen Ende der 1980er Jahre spät und in den Landesärztekammern mit noch viel größerer Verzögerung aufgearbeitet worden ist.

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