Kommentar zum Weltfrauentag

Ärztinnen brauchen Mitstreiter

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht: 06.03.2015, 05:29 Uhr

Es sind die Größenordnungen, die seit Jahren Frustration auslösen : siebzig -  fünfzig -  achtundzwanzig - sechs bis null: Das sind keine Lottozahlen oder Körpergrößen - das ist die Realität der Frauen in der Medizin.

Heutzutage sitzen in den Hörsälen rund 70 Prozent Frauen, an Kliniken arbeiten zu 50 Prozent Assistenzärztinnen.

Nach der Weiterbildung zur Fachärztin sind es dann nur noch 28 Prozent Frauen, die eine Führungsposition an deutschen Kliniken inne haben. Und es gibt sechs (Gynäkologie), zwei (Chirurgie) oder in anderen Fächern gar keine Frau, die einen Lehrstuhl inne haben.

Gründe dafür werden schon lange diskutiert - nicht nur anlässlich des Weltfrauentages.

Die Initiative "Pro Quote Medizin" hat sich vor drei Jahren gegründet, Umfragen von Fachgesellschaften belegen den Kinder- aber auch Karrierewunsch von jungen Ärztinnen.

Umfragen unter Medizinstudentinnen zeigen, dass sie im Beruf weiterkommen wollen und sich vorstellen können, eine Abteilung zu leiten.

Doch offenbar verfliegen Motivation und Enthusiasmus aus der Studienzeit während der Weiterbildung zur Fachärztin.  Karriere? Ich? - Nein, so einen Posten kann ich nicht bekleiden, heißt es dann oft.

Die Führungsmentalität in vielen Fächern an Kliniken schreckt ab, die Hürden im harten Klinikalltag liegen für Karrierepläne hoch. Die Niederlassung spielt als Alternative - auch wegen des finanziellen Risikos - für Ärztinnen oft zunächst keine Rolle.

Das Gesundheitssystem in Deutschland darf es nicht erlauben, diese hoch qualifizierten Frauen während der Weiterbildungszeit für die Patientenversorgung zu verlieren.

Um den (Traum-)Berufswunsch Ärztin auch mit Kind(ern) zu leben, braucht es innovative Arbeitsmodelle - und Mitstreiter mit Rückgrat. Chefärzte und vor allem Klinikleitungen müssen umdenken.

In den Verwaltungsetagen scheint sich beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr langsam etwas zu verändern: Nicht, weil Klinikmanager familienfreundlicher geworden sind.

Ihnen geht es um die wirtschaftliche Zukunft des Hauses: Es ist zu teuer, ständig neues Personal für Ärztinnen mit Kindern zu suchen. Es ist zu teuer, wenn eine Oberärztin nicht operieren kann, weil sie beim kranken Kind zu Hause bleiben muss.

Solche Verluste sind deutlich höher als die Kosten, die mit einem mobilen Kinderpflegedienst verbunden sind.

Private Klinikbetreiber und einige kirchliche Träger sind da weiter als Unikliniken und andere öffentlichen Träger.

Wer heute nicht offen ist für die Unterstützung der motivierten Ärzte - Frauen wie Männer -,  der wird künftig verlieren. Bei der Personalsuche, bei der Patientenversorgung und der Mitarbeitermotivation.

Lesen Sie dazu auch: DGOH fordert: Mehr Gleichstellung in der Weiterbildung

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