OECD-Report

Altenpflege hält nicht Schritt

Die wirtschaftlich entwickelten Länder haben ein gemeinsames Problem, wie die OECD nun festgestellt hat: Die Menschen werden älter, aber die Zahl der Pflegekräfte steigt nicht entsprechend.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 22.06.2020, 12:19 Uhr
Altenpflege hält nicht Schritt

Ein internationales Problem: Immer mehr Menschen werden älter – und die Zahl der Pflegekräfte hält nicht Schritt.

© Christoph Schmidt/dpa

Berlin. Rund 1,3 Milliarden Menschen leben in den 37 wirtschaftlich entwickelten Staaten der Welt (OECD). Jeder sechste ist älter als 65 Jahre, davon wiederum drei Fünftel chronisch krank, oft multimorbide.

Gleichzeitig schält sich heraus, dass die Altenpflege mit diesen Entwicklungen nicht Schritt hält. „Die Altenpflege leidet unter Arbeitskräftemangel, und es wird wahrscheinlich künftig schlimmer“, stellt die OECD in einer aktuellen Untersuchung fest.

Im Coronavirus-Ausbruchsgeschehen habe sich gezeigt, dass mehr Pflegekräfte mit besseren Arbeitsbedingungen und bessere Infrastruktur in den Pflegeeinrichtungen das Sterben in den Pflegeeinrichtungen hätte mildern können. Dort seien laut OECD die Hälfte aller COVID-19-Opfer zu verorten

57 Millionen Menschen über 80 Jahre alt

In drei Vierteln der Mitgliedsländer ist die die Zahl der potenziell Pflegebedürftigen im Untersuchungszeitraum von 2011 bis 2016 schneller als die Zahl der Pflegekräfte gewachsen. 2016 lebten rund 57 Millionen Menschen über 80 Jahre in den 37 OECD-Staaten, 2050 könnten es geschätzt 1,2 Milliarden sein.

Nur um das aktuelle Niveau von fünf Pflegekräften auf 100 Menschen über 65 Jahre zu halten, müssten OECD-weit bis 2040 etwa 13,5 Millionen Pflegekräfte zusätzlich eingesetzt werden können. Das wäre mehr als eine Verdoppelung des Niveaus von 2016.

Deutschland hat im Untersuchungszeitraum ausweislich der OECD-Statistik das Verhältnis von fünf auf sechs gesteigert. Die Anstrengungen der Pflegepolitik seit 2016 zur Gewinnung von Pflegepersonal sind in der Erhebung nicht enthalten.

Ausbildung hinkt hinterher

Gleichzeitig ist der Ausbildungsstand über alle OECD-Länder betrachtet eher niedrig. Auch in Ländern mit anspruchsvolleren Ausbildungsgängen werden essenzielle Kenntnisse in Geriatrie nicht vermittelt.

Trotzdem nehmen in 25 Staaten Pflegekräfte Aufgaben wie die Überwachung des Gesundheitszustandes, die Kommunikation mit Ärzten und das Fallmanagement wahr.

Lediglich ein Drittel der Länder erlaubt die Delegation ärztlicher Aufgaben an Pflegekräfte. Dazu zählt auch Deutschland. In weniger als der Hälfte der Länder fördert die Politik die Integration der Sektoren, um Effizienzgewinne zu heben. Erst am Anfang steht laut OECD die Entwicklung, technische Helfer bis hin zu Robotern einzusetzen.

Pflege im Niedriglohnsektor

Menschen in den Pflegeberufen zu halten, hat die OECD als eine der Hauptaufgaben der Politik identifiziert. Neun Zehntel sind Frauen. Das Durchschnittsalter beträgt OECD-weit 45 Jahre.

Die Abwanderung in andere Jobs ist dramatisch. Die Arbeitsbedingungen und die Löhne tragen nicht dazu bei, die Pflegekräfte bei der Stange zu halten.

Über die ganze OECD gesehen ist die Pflege ein Niedriglohnsektor mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von umgerechnet neun Euro. In Deutschland liegt der Mindestlohn für ungelernte Pflegearbeitskräfte seit diesem Jahr bei 11,35 Euro in der Stunde, 10,85 Euro in den neuen Ländern.

Ein weiterer Grund für die Fluktuation auf den Pflegekräften sind die Gefahren für die körperliche Gesundheit. Knapp zwei Drittel aller Pflegekräfte in der OECD leiden unter Beschwerden, die auf die Arbeit zurückzuführen sind.

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