Parteien einig

Arztnetze sind die Zukunft der Versorgung

Arztnetze sind die Versorgungsstruktur von morgen. Da stimmen die Bundestagsparteien überein. Doch finden die Netze dadurch auch ihren Weg in die Regelversorgung – mit eigenem Budget?

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 01.12.2017, 19:00 Uhr
Arztnetze sind die Zukunft der Versorgung

„Große Koalition“ für die Netzarbeit: ADA-Chef Dr. Veit Wambach, Dr. Albrecht Klöpfer (Moderator), Christine Aschenberg-Dugnus (FDP), Kathrin Vogler (Die Linke), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Georg Kippels (CDU).

© Laschet

BERLIN. Von links bis liberal: Qualitativ hochwertige Arztnetze sind geeignet, die interdisziplinäre Kommunikation zu fördern, Schnittstellen an den Sektorengrenzen zu überwinden, spezielle Versorgungsaufgaben bei hoher Morbidität in Problemregionen zu übernehmen – und schließlich sind sie auch ein attraktives Angebot für den ärztlichen Nachwuchs, der die Teamarbeit schätzt. Das zumindest war die Einschätzung gesundheitspolitischer Vertreter aller Bundestagsfraktionen bei einer Diskussion anlässlich der Jahreskonferenz der Agentur Deutscher Arztnetze (ADA) in Berlin. Mit Ausnahme der AfD, sie musste sich mit einer Zuschauerrolle begnügen.

Einigkeit bestand darin, dass trotz der Leistungsfähigkeit mancher Netze der Sicherstellungsauftrag bei den KVen verbleiben soll und nicht auf ein Netz übertragen werden sollte. Wenn solche Netze einen Mehrwert in der Versorgung leisten, dann müsse sich dies auch in einem extrabudgetären Honorar vor allem in unterversorgten Regionen niederschlagen, forderte Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen), die selbst als niedergelassene Ärztin für Psychotherapie in Bremen gearbeitet hat. Vor allem für chronisch Kranke, die verschiedene Sektoren des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen müssen, seien Netze eine gute Versorgungsstruktur. Wünschenswert sei eine Weiterentwicklung, mit der auch die Pflege und andere Gesundheitsfachberufe einbezogen werden.

Rasante Entwicklung

» Im Jahr 2002 gab es laut der Agentur Deutscher Arztnetze bundesweit rund 200 Netze, in denen circa 10.000 niedergelassene Ärzte zusammengeschlossen waren.

» Heute sind es 400 Netze mit schätzungsweise rund 30.000 Ärzten.

Der ADA-Vorsitzende, Dr. Veit Wambach, plädierte dafür, solchen leistungsfähigen Strukturen auch besondere Aufgaben in strukturschwachen Regionen mit hoher Morbiditätsbelastung zu übertragen – auch wenn Ärzte nicht alle Probleme lösen könnten. Dies müsse aber unbedingt unter dem Dach des Kollektivvertrags und nicht in Selektivverträgen mit einzelnen Kassen organisiert werden. Notwendig sei es, jenseits des jeweils geltenden Honorarverteilungsmaßstabes Anreize zu schaffen, etwa in Form von Einzelleistungsvergütungen, eines Gesamtbudgets oder Pay for Performance.

In einzelnen Regionen gebe es dazu durchaus schon Lösungsansätze, die von den Kassen vor Ort mitgetragen würden, so Christine Aschenberg-Dugnus von der FDP. Widerstände sieht sie auf der Bundesebene, vor allem beim GKV-Spitzenverband. Die Einheits-Vergütungssysteme – EBM für die ambulante Versorgung, DRG für die Krankenhäuser – seien nicht mehr geeignet, Versorgungsnotwendigkeiten in der Region abzubilden. Zustimmung insbesondere in diesem Punkt kam von der linken Gesundheitspolitikerin Kathrin Vogler. Sie hält einen lange garantierten Vorteil der ambulanten Medizin inzwischen für in akuter Gefahr: die freie Arztwahl. Die gebe es in manchen Regionen aufgrund des Ärztemangels gar nicht mehr. "Das wird uns die nächsten vier Jahre intensiv beschäftigen."

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