Gesundheit im Norden

Auch in Zukunft ist "Volldampf" nötig

Der Umbau der Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern startete vor 25 Jahren. In einem Forum blickte die AOK Nordost auf die bewegten Jahre zurück. Deutlich wurde: Ausruhen auf dem Erreichten geht nicht.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:

SCHWERIN. 38 Krankenhäuser, zwei moderne Unikliniken, 64 Rehakliniken und über 7000 Ärzte, darunter viele selbstständig in eigener Praxis, sorgen heute für die Gesundheitsversorgung im Nordosten. Über 100.000 Menschen arbeiten im Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern und sorgen für einen Jahresumsatz von mehr als vier Milliarden Euro.

Von solchen Daten konnte man vor 25 Jahren nicht einmal träumen. Damals beherrschten marode Kliniken das Bild, viele Ärzte standen vor einer ungewissen Zukunft und niemand wusste, wie der immense Finanzierungsbedarf gedeckt werden sollte.

Stolz auf das Erreichte, vor allem aber dankbar zeigten sich die Teilnehmer auf dem Forum, mit dem die AOK Nordost auf die schwierige Gestaltung des Gesundheitswesens in Mecklenburg-Vorpommern zurückblickte.

Sylvia Bretschneider (SPD), Landtagspräsidentin, bedankte sich bei den Beteiligten, dass für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern heute das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung selbstverständlich erscheint.

Sie erinnerte aber auch an den oft schwierigen Weg, der von schmerzhaften Einschnitten gekennzeichnet war. So gab es eine Reihe von Auseinandersetzungen, die zum Teil in Hungerstreiks für den Erhalt von Klinikstandorten gipfelten.

"Ein Prellbock zwischen Fronten"

So etwas gehört zwar der Vergangenheit an, aber die Diskussionen im Gesundheitswesen, beobachtet Bretschneider, "werden noch immer mit ganz viel Herz geführt".

Mittendrin in diesen Diskussionen war lange Zeit die frühere Sozialministerin des Landes, Dr. Martina Bunge (Linke). Sie habe sich oft "wie ein Prellbock zwischen den Fronten" gefühlt, berichtete Bunge im Forum. Zwischen dem früheren KV-Chef Dr. Wolfgang Eckert und den Kassenchefs krachte es regelmäßig, etwa wegen der Arzneimittelkosten.

Fast immer gelangen Lösungen - meist in Form mühsamer Kompromisse. Bunge sieht darin aber auch ein Zeichen dafür, dass Landesgesundheitspolitik eben nicht - wie häufig behauptet - machtlos ist.

Für die AOK ist die Umgestaltung mit dem Namen Friedrich Wilhelm Bluschke verbunden. Er wurde 1990 von einem Tag auf den nächsten aus Schleswig-Holstein abgezogen und zum Errichtungsbevollmächtigen der AOK Schwerin bestellt. Aus den anfangs noch drei AOKen im Bundesland machte er eine.

Nicht nur das: Jeder Versicherte in Mecklenburg-Vorpommern war ab ersten Januar 1991 zunächst AOK-versichert und hatte dann das Wechselrecht. Damit war die AOK Kostenträger automatisch für jeden laufenden Behandlungsfall. Jeder Versicherte konnte zwar wechseln - dies taten aber nur die, die sich nicht in laufender Behandlung befanden.

So entstand eine für die Kasse gefährliche Mitgliederstruktur: 83 Prozent der Rentner waren anfangs bei der AOK, während die IKK überhaupt keinen hatte.

Bluschke erinnerte in diesem Zusammenhang an die schwierigen, für die AOK aber überlebensnotwendigen Verhandlungen zum Risikostrukturausgleich. Die Lasten konnte die AOK nicht ohne Schulden tragen - inzwischen sind sie getilgt, wie Bluschke stolz feststellte.

Adipositas als dringendes Problem

"Unter Volldampf" hätten damals alle Beteiligten die Strukturen umgebaut, erinnerte Bluschke, der auch an den für viele Menschen lebenserhaltenden Aufbau von Dialysen und kardiologischen Abteilungen erinnerte.

Inzwischen sind andere Probleme aktuell, etwa der überdurchschnittlich hohe Anteil an adipösen Menschen und die hohe Zahl an allein lebenden alten Menschen. Um diese Probleme zu lösen, so Bluschke, sei erneut "Volldampf" von den Beteiligten im Gesundheitswesen erforderlich.

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