Interview

Barmer GEK: "Ärzte sollten die Beurteilungen als Teil des Wettbewerbs begreifen "

Das Projekt von AOK und Weisse Liste erhält Zuwachs: Deutschlands größte gesetzliche Kasse Barmer GEK steigt bei der Online-Arztsuche ein. Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker erläutert die Gründe.

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Barmer GEK-Vorstand Dr. Rolf Ulrich Schlenker. "Die Ärzte können ja auch empfohlen werden."

Barmer GEK-Vorstand Dr. Rolf Ulrich Schlenker. "Die Ärzte können ja auch empfohlen werden."

© Barmer GEK

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Schlenker, haben Sie schon mal im Internet einen Arzt gesucht?

Dr. Rolf Ulrich Schlenker: Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich in Stuttgart unterwegs war und ein akutes Gesundheitsproblem auftrat. Ich habe nach einem HNO-Arzt gegoogelt. Die Suchmaschine spuckte viele Arztportale aus.

Da stand kaum was drin, höchstens eine Anschrift, Angaben zu Öffnungszeiten oder die Information, dass es vorm Haus ein Behindertenparkplatz gibt. Für Patienten ist das zu wenig an Information.

Ärzte Zeitung: Und bei der Arztsuche vom Projekt Weisse Liste und AOK, bei der die Barmer GEK als Partner einsteigt, ist das anders?

Schlenker: Definitiv. Die Arztsuche ist von seriösen Partnern entwickelt worden. Die Fragebögen sind wissenschaftlich fundiert und unter Einbeziehung der Ärzte entstanden. Damit wird eine neue Transparenz in der ambulanten Medizin möglich.

Wir wissen aus Umfragen, dass 90 Prozent der Versicherten mehr Informationen über Ärzte wünschen, und sie in die Arztsuche auch Werturteile anderer Patienten einbeziehen möchten. Das ist mit einem Barmer GEK Arztnavi möglich.

Einbezogen werden auch Faktoren wie die Freundlichkeit des Praxispersonals und die Empathie des Arztes: Hört er mir zu? Geht er auf meine Fragen ein? All das ist extrem wichtig, und all das bieten viele andere Suchportale nicht. Durch unsere Kooperation mit der AOK gibt es dann 33 Millionen potenzielle Nutzer. So entsteht eine solide Basis für eine faire Arztbewertung. Von Patienten für Patienten!

Ärzte Zeitung: Die Ärzte haben Sorge, an den Pranger gestellt zu werden.

Schlenker: Wir wissen um die Empfindlichkeit der Ärzte, die sich als Freiberufler nur ungern beurteilen lassen. Gleichwohl müssen sich auch die Ärzte dem Wunsch der Patienten nach mehr Transparenz stellen.

Sie sollten die Beurteilungen als positive Kritik und als Teil des überfälligen Wettbewerbs verstehen. Sie können ja auch empfohlen werden. An den Pranger gestellt wird niemand, und eine Ärzte-Hitliste wollen wir nicht. Im Übrigen: Auch wir Krankenkassen stellen uns den Beurteilungen unserer Versicherten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Ärzte Zeitung: Wie startet Ihre Kasse ins Projekt?

Schlenker: Die Entwicklungspartnerschaft mit AOK und Weisse Liste läuft seit 1. Januar 2011. Derzeit sind wir bei der schriftlichen Befragung in Hamburg, einer der drei Pilotregionen, beteiligt. In den nächsten Monaten startet die Online-Befragung unserer Versicherten bundesweit.

Zudem übernehmen wir eine zentrale Rolle bei der geplanten Online-Zahnarztsuche, die inhaltliche Ausgestaltung liegt wiederum beim Projekt Weisse Liste. Es geht um Beurteilungen von Faktoren wie etwa Schmerzmanagement, Aufklärung und Beratung - zum Beispiel bei Implantaten.

Bis Ende des Jahres soll die Bewertung von Zahnärzten möglich sein. Für 2012 ist ein spezieller Fragebogen für Psychotherapeuten geplant.

Das Interview führte Thomas Hommel.

Lesen Sie dazu auch: AOK-Arztnavigator: Barmer GEK mit an Bord Arztnavigator für immer mehr Versicherte zugänglich

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