"Bedarfsplanung liefert ein Zerrbild"

KIEL (di). Die KV Schleswig-Holstein muss in den kommenden Jahren viele Arztstellen neu besetzen. Allein 871 Hausärzte müssen bis 2015 gefunden werden, damit die Versorgungsdichte erhalten bleibt.

Veröffentlicht:

Laut Bedarfsplanung muss sich Schleswig-Holstein keine Sorgen machen: In den 13 Planungsbereichen im Norden existiert rein rechnerisch keine Unterversorgung.

Doch die Bedarfsplanung ist in ihrer jetzigen Berechnung nicht geeignet, die tatsächliche Situation vor Ort abzubilden, warnt Bianca Hartz von der KV Schleswig-Holstein. Grund ist die reine Gegenüberstellung von Arzt- und Bevölkerungszahl in der Bedarfsplanung. Diese vor Jahren festgelegte Relation hat nach Erfahrungen der KVSH viel zu viele gravierende Defizite.

"Die Bedarfsplanung liefert ein Zerrbild", kritisierte Hartz. Nach ihrer Ansicht muss die Bedarfsplanung um zwei Punkte ergänzt werden:

Bis 2015 müssen 871 Hausärzte gefunden werden.

Zum einen ist eine kleinräumigere Einteilung erforderlich: Innerhalb des Planungsbezirkes können Ärzte ihren Standort frei wählen. Das führt zu einer Ballung an den attraktiven Standorten. Selbst bei einer rechnerischen Überversorgung sind deshalb weite Teile eines Planungsbezirkes ohne Arzt.

Zum anderen muss das Alter der Bevölkerung berücksichtigt werden: Aktuell sind rund 750 000 Schleswig-Holsteiner älter als 60 Jahre. 2015 werden schon 833 000 Menschen dieser Altersgruppe angehören. Damit steigt der Behandlungsbedarf, was in der aktuellen Berechnung aber nicht berücksichtigt wird.

Wie prekär die Lage schon in wenigen Jahren im Norden sein kann, zeigen Hochrechnungen der KVSH. Danach werden von den heute niedergelassenen 1907 Hausärzten im Norden im Jahr 2015 nur noch 1036 aktiv sein - 871 Hausärzte müssten sich in den kommenden sieben Jahren also zu einer Praxisübernahme entschließen, damit die hausärztliche Versorgung nicht auf noch weniger Schultern verteilt wird. Im gleichen Zeitraum werden auch 131 Gynäkologen und 70 Augenärzte gesucht.

In einigen Regionen wie etwa Schleswig-Flensburg oder Neumünster, droht ein extremer Aderlass: In diesen Bezirken muss im genannten Zeitraum jede zweite Hausarztstelle neu besetzt werden.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Wenige Genehmigungen entzogen

KBV veröffentlicht Qualitätsbericht für 2022

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kommunikation und Datenschutz

Neue Perspektiven für IT in der Praxis

Lesetipps
Ulrike Elsner

© Rolf Schulten

Interview

vdek-Chefin Elsner: „Es werden munter weiter Lasten auf die GKV verlagert!“