Mieses Image, schlechtes Gehalt

Bei der Pflege ist Luft nach oben

Die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte gilt als ein Mittel, den Mangel in den Griff zu kriegen. Doch auf Dauer muss an grundsätzlichen Stellschrauben gedreht werden. Das hat eine Expertendiskussion in Kiel gezeigt.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 09.07.2018, 07:52 Uhr
Bei der Pflege ist Luft nach oben

Pflegeassistentin aus China: Mancher Pflegeanbieter reist weit, um Mitarbeiter zu finden.

© Jens Wolf / dpa

KIEL. Das Thema Personalknappheit überschattet in der Pflege derzeit alle weiteren Probleme. Auf der Suche nach Konzepten, die mehr Menschen für die Pflege begeistern, hilft keineswegs allein der Ruf nach mehr Geld.

Deutlich wurde dies auf einer Veranstaltung des Ersatzkassenverbandes vdek in Kiel zum Thema "Personalnotstand in der Pflege".

Wie groß die Anstrengungen eines Krankenhauses sein müssen, um allein den bestehenden Mitarbeiterstamm in der Pflege aufrecht zu erhalten, verdeutlichte Bernhard Ziegler, Bundesvorsitzender des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser (IVKK), am Beispiel des von ihm geführten Klinikums Itzehoe, das insgesamt rund 700 Mitarbeiter in der Pflege beschäftigt.

Von ihnen scheiden jährlich zwischen 60 und 80 Pflegemitarbeiter aus, die ersetzt werden müssen. "Das sind jährlich mehr als zwei Schulklassen, die wir neu einstellen müssen", sagte der Verwaltungschef.

Wieso gibt es einen Engpass?

Neben verstärkten Anstrengungen in der Ausbildung wurde in Kiel auch die Einstellung ausländischer Pflegekräfte diskutiert. Mathias Steinbuck, Schleswig-Holsteins Landeschef im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), sieht darin einen "wichtigen Baustein" für ein Gesamtkonzept.

Nach seinen Zahlen arbeiten derzeit 128 000 Menschen aus dem Ausland als Pflegekraft in Deutschland – und nach seiner Auffassung dürften es gerne mehr werden. Steinbuck, der im eigenen Unternehmen gute Erfahrungen mit Pflegekräften aus Vietnam sammelt, hält dafür vereinfachte Anerkennungsverfahren für erforderlich.

Um einzelne Betreiber von den damit verbundenen bürokratischen Anforderungen zu entlasten, wünscht er sich ein strukturiertes und vom Land organisiertes Verfahren, das mehr ausländische Pflegekräfte anzieht.

Zwei Hauptursachen ausgemacht

Warum aber ist es zum aktuellen Engpass in der Pflege überhaupt gekommen? In Kiel wurden zwei Hauptursachen ausgemacht.

Erstens: die Bezahlung. In der Politik scheint inzwischen angekommen zu sein, dass dieses Defizit behoben werden muss. Dr. Matthias Badenhop, Schleswig-Holsteins Staatssekretär im Gesundheitsministerium, stellte klar: "Pflege kostet Geld, gute Pflege kostet viel Geld.

Es gibt andere Dinge, bei denen man sparsamer sein kann als in der Pflege." Er verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf die seit Jahren ansteigende Unterstützung des Landes für die Pflegeausbildung.

Ob allerdings die geplante Anhebung des Beitrags zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozent ausreicht, bezweifelte zumindest der Verbandsvorsitzende des vdek, Uwe Klemens.

Er gab zu bedenken, dass diese Anhebung möglicherweise nicht lange ausreichen wird – eine zweite Anhebung während der Amtszeit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aber wohl eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Klemens forderte zugleich, nicht nur die Pflegeversicherung in die Pflicht zu nehmen – Pflege sei eine gesellschaftliche Verpflichtung. "Wir brauchen ab 2019 ein Pflegefinanzierungskonzept", forderte er.

Beruf wird schlechtgeredet

Zweite Ursache: Das Image. "Der Beruf wird oft assoziiert mit Rückenwaschen", kritisierte Patricia Drube. Die Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein machte in einem leidenschaftlichen Plädoyer über die Fähigkeiten ihrer Kollegen deutlich, wie falsch diese Wahrnehmung ist.

"Wir können Krankheiten lindern und vorbeugen. Wir können Pflegebedürftigkeit verhindern und hinauszögern", sagte Drube. Unterstützung erhielt sie in dieser Frage vom bpa-Landeschef Steinbuck, der für das schlechte Image die Politik verantwortlich machte.

Sein Appell: "Die politisch Verantwortlichen sollten aufhören, den Beruf schlecht zu reden."

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