Versorgung

Brandenburg will mehr Diabetiker ins DMP bringen

Diabetes mellitus wird auch in den Ländern zunehmend zum Thema. Die Landesregierung in Brandenburg hat jetzt erstmals einen Diabetesbericht vorgelegt – und dabei manche überraschende Erkenntnis zutage gefördert.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
Neuropathie-Check: in Brandenburg sollen mehr Diabetiker in DMP versorgt werden.

Neuropathie-Check: in Brandenburg sollen mehr Diabetiker in DMP versorgt werden.

© Bernhard Schmerl / stock.adobe.c

POTSDAM. Mehr als jeder zehnte Brandenburger leidet an Diabetes mellitus Typ 2. Im Disease Management Programm (DMP) sind die Betroffenen besser versorgt als ohne.

Doch nicht überall in Brandenburg haben die Patienten gleich guten Zugang zu den Versorgungsangeboten.

Das sind einige zentrale Ergebnisse des ersten landesweiten Berichts zum Stand bei Diabetes mellitus, den der Brandenburger Landtag auf Vorlage des Gesundheitsministeriums im Mai diskutierte.

Der Bericht beschreibt erstmals die Bedeutung von Typ-2-Diabetes in Brandenburg. Er legt Daten zu Versorgungsstrukturen und zu Beratungsmöglichkeiten vor. Außerdem zeigt er diabetesbezogene Aktivitäten im Flächenland und mögliche Forschungsschwerpunkte des Gesundheitscampus Brandenburg.

Den Bericht hat die Agenon, Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen, im Auftrag des Landesgesundheitsministeriums erstellt.

Auf Bundesebene arbeitet das Robert Koch-Institut seit 2015 am Aufbau einer sogenannten Diabetes Surveillance. Der Prototyp für einen bundesweiten Diabetesbericht soll zum Jahresende vorliegen.

Mehr als jeder zehnte Brandenburger erkrankt

Dem Brandenburger Bericht zufolge waren im Jahr 2016 in dem Flächenland 286.000 Menschen von der Volkskrankheit betroffen (11,5 Prozent). Das Landesgesundheitsministerium bewertet es in seiner Stellungnahme zum Bericht als gute Nachricht, dass die Krankheitshäufigkeit und die Zunahme der Neuerkrankungen seit einigen Jahren an Dynamik verloren haben.

Dennoch sei davon auszugehen, dass die Krankheitslast durch Typ-2-Diabetes unter anderem aufgrund des steigenden Durchschnittsalters weiter zunehmen wird.

In den östlichen Bundesländern kommt Typ-2-Diabetes bekanntlich häufiger vor als im Bundesdurchschnitt. Der Bericht zeigt aber auch große Unterschiede innerhalb Brandenburgs.

Der Landkreis Havelland hat demnach eine deutlich niedrigere Prävalenz von 10,5 Prozent im Jahr 2016 als die Prignitz mit 14,1 Prozent. Um die Datenbasis weiter zu verbessern, will sich Brandenburg unter anderem dafür einsetzen, dass die bundesweite Surveillance landesspezifisch genutzt werden kann.

Der Bericht stellt Unterschiede in den Teilnahmequoten am DMP zwischen den Landkreisen fest. „Auch der Zugang zu diabetesbezogenen ärztlichen und nicht-ärztlichen Versorgungsangeboten ist regional nicht gleich verteilt“, heißt es weiter.

So gibt es etwa in berlin-nahen Regionen deutlich mehr Diabeteszentren und diabetologische Schwerpunktpraxen als in berlinfernen Gebieten. Der Bericht fordert daher Strategien zur kleinräumig orientierten Versorgung.

„Die Landesregierung betrachtet die regionale Ungleichheit in der Krankheitsbelastung und die Unterschiede in der Inanspruchnahme der spezifischen strukturierten Behandlungsprogramme (DMP) als eine besonders große Herausforderung für die Verantwortlichen in der Versorgung“, so das Landesgesundheitsministerium in seiner Stellungnahme.

Hinweise für höhere Versorgungsqualität in DMP

Das Ministerium kündigt an, dass es darauf hinwirken will, möglichst viele Kranke ins DMP zu bringen, „weil es Hinweise darauf gibt, dass die Versorgungsqualität im DMP höher ist“. Die KV Brandenburg soll demnach mehr Ärzte für das DMP gewinnen, die Krankenkassen sollen Patienten zur Teilnahme motivieren.

Laut Bericht nimmt im Landkreis Spree-Neiße nicht einmal jeder zweite Diabetiker am DMP teil (48,9 Prozent), in der Prignitz sind dagegen fast drei Viertel (73,2 Prozent) eingeschrieben.

Besondere Herausforderungen sieht das Landesgesundheitsministerium auch bei der Versorgung von pflegebedürftigen Diabetes-Patienten. Das Ministerium geht davon aus, dass diese vulnerable Patientengruppe weiter wachsen wird. Strategien für diese Patienten sollen in Modellvorhaben und in Projekten im Rahmen des Innovationsfonds erprobt werden.

Dabei geht es unter anderem um Schulungen und Unterstützung für pflegende Angehörige, eine bessere Zusammenarbeit von Hausärzten und Pflegekräften, den Einsatz von Diabetesassistenten in Pflegeeinrichtungen, die Delegation ärztlicher Leistungen und digitale Angebote wie Telemedizin oder Ambient Assisted Living. Der Gesundheitscampus Brandenburg soll solche Projekte mit Versorgungsforschung begleiten.

Der Bericht geht auf einen Antrag der Regierungsfraktionen aus dem Jahr 2017 zurück. Er macht auch Handlungsvorschläge auf dem Gebiet der Prävention, kommt aber zu dem Ergebnis, dass grundlegende Maßnahmen zur Prävention und Versorgung von Typ-2-Diabetes nicht in den Händen der Landespolitik, sondern anderer Akteure liegen sollten.

Daher empfehlen die Wissenschaftler, eine Brandenburger Diabeteskonferenz mit allen relevanten Akteuren und Patientenvertretern einzurichten. Die Konferenz ist noch für diesen Sommer geplant, wie das Gesundheitsministerium ankündigte.

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