Organspende-Debatte

Bundestag steht in den Startlöchern

Widerspruch oder nicht? Der Bundestag bereitet sich auf eine offene Debatte zur Reform der Organspende vor.

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BERLIN. Die Grundsatzdebatte über die Zukunft der Organspende steht kurz bevor. Ein Gruppenantrag für die Einführung der Widerspruchsregelung anstelle der derzeit geltenden Zustimmungsregel, an dem die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion mitarbeitet, werde „zeitnah“ vorgestellt, sagte Sabine Dittmar am Freitag der „Ärzte Zeitung“.

Damit würde jeder automatisch zum Organspender, der seinen Widerspruch nicht dokumentiert hat. Nach dem mutmaßlichen Willen des potenziellen Organspenders sollen im Ernstfall zusätzlich auch die Angehörigen befragt werden.

Zustimmung per „Perso“?

Auch ein Gruppenantrag um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und den CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger steht wohl kurz vor der Veröffentlichung.

Demnach sollen die Menschen in Deutschland alle zehn Jahre bei der Ausgabe eines neuen Personalausweises nach ihrer Organspendebereitschaft befragt werden.

Pilsinger sieht vor allem in der Optimierung der Prozesse den Schlüssel für mehr Organspenden. Dem trägt das Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) Rechnung, das am 1. April in Kraft treten wird.

Wie wirkt das Gesetz?

Für eine Entkoppelung der Diskussionen über die Widerspruchsregelung und das Transplantationsgesetz steht auch der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Professor Peter Dabrock. Man solle zunächst die Wirkung des Gesetzes auf die Organspende abwarten, sagte Dabrock bei einer von der Schwenninger Krankenkasse ausgerichteten Diskussionsveranstaltung.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Herzchirurgin Professor Claudia Schmidtke (CDU), geht dagegen davon aus, dass die neuen Organisationsverbesserungen in den Kliniken kurzfristig nicht den gewünschten Erfolg bringen werden.

Auf der von der Deutschen Stiftung Organtransplantation geführten Warteliste stehen aktuell 9400 Menschen. 7000 davon warten auf eine neue Niere.

Um das Wissen zur Organspende scheint es in Deutschland nicht allzugut bestellt zu sein. Laut einer noch nicht veröffentlichten Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sehen sich 26 Prozent der Bevölkerung gut informiert, 57 Prozent mäßig und 17 Prozent schlecht. (af)

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